Schützenfest – Teil 16

„Gut, dann viel Spaß bei deinem Film.“ Jonas machte sich auf den Weg, zum Abschied winkte er ihr noch einmal zu.
„Und dir viel Spaß bei deiner Erkundungstour.“ Leah wartete, bis er weg war und stürmte in die Küche. Sie wärmte die Käsesauce für die Nachos auf und holte sich das Bier aus dem Kühlschrank. Pitti beobachtete sie neugierig und lief die ganze Zeit hinter ihr her.

„Schau dir das an, Pitti. Diese alte Giftschlange. Ihr bester Freund will eine Andere heiraten, und jetzt ist sie eifersüchtig und will ihn auf einmal auch. Haste da noch Töne?“ Leah schaute Pitti ernst an und dippte einen Nacho in die Sauce. Eigentlich klumpte schon alles in ihrem Bauch zusammen, aber sie konnte nicht aufhören, dann nahm sie einen weiteren kräftigen Schluck aus der Bierflasche.
Pitti saß mittlerweile neben ihr auf dem Sofa und hörte scheinbar interessiert Leahs Erklärungen zu dem Film an.
„Jetzt kommt’s, Pitti – unser Einsatz!“ Leah nahm den Hund auf den Arm und sprang aufs Sofa. Sie sang aus vollem Hals und wild hüpfend mit. Pittis Ohren flogen dabei im Takt auf und ab.

“Forever, and ever, you’ll stay in my heart
and I will love you
Forever, and ever, we never will part
Oh, how I love you
Together, forever, that’s how it must be
To live without you
Would only mean heartbreak for me.”
Bei den Textzeilen “Forever and ever …”, küsste sie Pitti herzhaft auf den Kopf.

„Hallo Leah.“
Sie fuhr entsetzt herum und starrte ihn an wie einen Geist.
„Jonas – du bist schon da?“ Eine intelligentere Frage fiel ihr gerade nicht ein.
„Ja. Es war doch ein wenig langweilig so allein. Da dachte ich, ich schau vielleicht doch den Film mit an, wenn du nichts dagegen hast.“ Er konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen und streckte ihr die Hand hin, um sie vom Sofa herunterzugeleiten, auf dem sie immer noch stand.
Leah nahm seine Hand und setzte sich brav wieder hin. Zwei Haarsträhnen hatten sich gelöst und fielen ihr in die Stirn, genervt pustete sie sie aus dem Gesicht. Auch Pitti schaute Jonas irgendwie schuldbewusst an.
„Möchtest du auch ein Bier?“, fragte sie.
„Gerne, ich kann es mir aber auch selbst holen.“
„Äh, ja, dann tu das. Im Kühlschrank.“ Sie wartete, bis er außer Hörweite war und schimpfte mit Pitti. „Was bist du denn für ein Kumpel? Hättest du nicht bellen können als Warnung oder was ihr Hunde immer so macht?“
Der kleine Hund senkte den Blick.
Um etwas Zeit zu gewinnen und ihre Fassung irgendwie wieder zu erlangen, stürmte sie schnell auf die Toilette.
Klar – hast wieder eine knallrote Birne, Leah! Warum muss dir immer so was passieren?
Sie wusch sich schnell übers Gesicht und ging hoch erhobenen Hauptes zurück ins Wohnzimmer.

Jonas saß schon auf dem Sofa. „Um was geht es denn?“, fragte er interessiert.
Super – einem MANN erklären um was in einem Liebesfilm geht! Leahs Stimmung erreichte den Nullpunkt. Sie setzte sich in gebührenden Abstand neben ihn und erzählte ihm kurz den Handlungsstrang.
„Ach, ich glaube, den kenn’ ich schon“, antwortete Jonas.
„Na und? Ich hab ihn auch schon dreimal gesehen.“ Leah schnappte sich ein Nacho und dippte es ein.
„Was isst du denn da?“ Jonas beäugte interessiert die Sauce.
„Kennst du keine Nachos? Hier, probier’ mal!“ Sie nahm eins und hielt es ihm vor den Mund, Jonas ließ sich brav füttern.
„Lecker. Mehr!“
Leah kicherte und nahm das Nächste, sie rutschte ein wenig näher, um besser an ihn heranzukommen.
„Hm“, sagte Jonas nur und sah sie erwartungsvoll an.
„Noch was?“, fragte sie lachend.
„Ja, klar. Mehr davon bitte.“
Beim ungefähr achten Nacho erwischte Leah zuviel Sauce und sie lief ihr die Finger herunter.
„Mist“, stöhnte sie und versuchte, die klebrige Masse schnell mit ihrem Mund aufzufangen, um nicht Trudchens Teppich einzusauen.
Doch Jonas hielt ihre Hand fest und zog sie an seinen Mund. „Die Sauce gehört noch zu meinem Nacho“, sagte er entschlossen und begann langsam, Leahs Finger abzulecken.
Leah hatte das Gefühl, als ob sich ihre Nackenhaare hochstellten, sie starrte Jonas entgeistert an.
Hör’ auf damit, Jonas. Bitte!, schrie alles in ihr.
„Lecker“, sagte er sanft und musterte sie kritisch. „Diebin, da ist ja noch etwas!“, lachte er und küsste ihr einen kleinen Klecks Sauce von ihrem Mund weg. Leah war unfähig, sich zu bewegen oder irgendwie zu reagieren. Seine Lippen verharrten kurz auf ihren, dann zuckte er zusammen und schrak schnell zurück.
Für einen Moment schauten sie sich beide ungläubig an. Jonas erlangte als erster seine Fassung zurück. „Meine Sauce …“, stotterte er.
„Der Film …“, stammelte Leah und schaute krampfhaft auf den Fernseher.
Nur Spaß, es war nur Spaß, Leah, hämmerte es in ihrem Kopf. Albereien zwischen Freunden – nichts weiter.
„Möchtest du noch etwas trinken?“, fragte sie und versuchte cool zu klingen.
„Ja gern.“ Jonas lächelte sie dankbar an, Leah stand schnell auf und holte für jeden noch ein Bier.

Als sie zurückkam, hatte sich Jonas auf dem Sofa ausgestreckt.
„Jetzt hab ich aber gar keinen Platz“, protestierte Leah.
„Doch hast du, komm’ mal her.“ Er sah sie treuherzig an und streckte ihr seine Hand entgegen.
Leah ließ sich von ihm auf seinen Bauch ziehen, ihren Kopf drückte er behutsam auf seine Brust und mit seinen Händen streichelte er ihr zärtlich über den Rücken.
„Entspann dich, okay?“, sagte er mit warmer Stimme.
Wie denn, du Witzbold?
Sie wollte sich gerade wieder aufsetzen, als sie seinen Herzschlag wahrnahm, der auch ziemlich schnell war, wie sie fand. Fasziniert hörte sie dem Schlagen eine zeitlang zu. Dann versuchte sie krampfhaft, sich auf den Film zu konzentrieren, was ihr aber kaum gelang, da sie aufmerksam den Weg verfolgte, den seine Hände über ihren Rücken nahmen. Doch nach einiger Zeit beruhigte sie sich tatsächlich. Sie entspannte sich immer mehr unter seinem sanften Streicheln.

Es war merkwürdig still bis auf das Pochen an ihrem Ohr. Leah öffnete die Augen, es war dunkel im Raum, der Fernseher war aus und der Tisch, auf dem vorher die Bierflaschen standen, abgeräumt.
Ist Trude schon wieder zurück und hat aufgeräumt?
Erst jetzt bemerkte sie, dass sie immer noch auf Jonas Bauch lag. Sie hob vorsichtig den Kopf und sah, dass er ebenfalls eingeschlafen war. Nur seine Hände hatten die Position entscheidend verändert.
Ihr T-Shirt war auf dem Rücken hochgeschoben und er hatte eine Hand auf ihrer nackten Haut, in Höhe ihres BH-Verschlusses. Die andere war in die entgegen gesetzte Richtung gewandert und halb in ihrer Jeans verschwunden.
Dabei sieht er so harmlos aus, wenn er schläft, dachte Leah und beobachte ihn verträumt.
„Jonas, komm’ wir gehen ins Bett“, versuchte sie ihn wach zu kriegen, als Antwort kam nur ein Brummen.
Sie versuchte von ihm aufzustehen, ohne an irgendwelche entscheidenden Körperteile von ihm anzustoßen, doch es war zwecklos. Sobald sie sich ein Stückchen von ihm entfernen wollte, verstärkte er seinen Griff und drückte sie wieder auf sich, Leah musste kichern. „Du bist wach, Steffen Jr. Gib es zu!“
Seine Mundwinkel zuckten verräterisch. „Können wir nicht einfach so liegen bleiben?“
„Also ich geh’ jetzt ins Bett, was du tust, ist Deine Sache.“
„Ist doch grad’ so gemütlich hier“, protestierte er.
Leah widerstand der Versuchung sich nochmals an ihn zu kuscheln.
„Gute Nacht, Jonas.“ Sie gab ihm einen flüchtigen Kuss auf seine Brust und stand schnell auf.