Schützenfest – Teil 39

Leah wachte auf und stellte fest, dass sie immer noch ganz nah an Jonas geschmiegt war. Ihr Kopf ruhte auf seinem Arm und mit ihrem Gesicht lag sie direkt an seinem Hals. Die Morgensonne schien schon herein, gleich würde der übliche Alltagstrott im Krankenhaus beginnen. Leah lauschte eine Weile seinen regelmäßigen Atemzügen, dann konnte sie der Versuchung nicht widerstehen und begann vorsichtig, seinen Hals zu küssen. Jonas seufzte auf.
Er drehte sich schnell zu ihr herum und hielt ihr einen Finger auf den Mund.
„Lass das, Leah. Wir hatten doch gestern gesagt, nicht im Krankenhaus …“, flüsterte er heiser. „Und dann bitte nicht so! Und schon gar nicht morgens.“
Leah runzelte die Stirn und überlegte, was er wohl meinte, doch als sie sein verlegenes Grinsen sah, dämmerte es ihr langsam.
„Ich hab’ dich doch nur geküsst“, lächelte Leah zuckersüß.
„Das reicht schon.“ Er drehte eine Haarsträhne von ihr um seinen Finger.
„Aber ein bisschen küssen können wir doch schon, oder?“, fragte sie ihn unschuldig.
„Kommt drauf an, was du darunter verstehst“, murmelte er und sah ihr tief in die Augen.
„Na, so vielleicht.“ Sie stützte sich auf einen Ellenbogen ab und streifte leicht mit ihren Lippen seinen Mund.
„Ja, das geht schon. So, geht auch noch …“ Jonas drückte sie in die Kissen, seine Zunge strich über ihre Lippen und Leah erwiderte vorsichtig seinen Kuss. Das Telefonklingeln riss die beiden auseinander, er stöhnte genervt und ließ seinen Kopf theatralisch auf Leahs Schulter sinken.

„Oh, Herr Pech …“ Leah setzte sich im Bett auf und stopfte sich ein Kissen in den Rücken, dabei rutschte Jonas‘ Kopf auf ihren Schoss. Er sah sie von unten an und zog wilde Grimassen.
„Guten Morgen. Ich hoffe, ich hab’ Sie nicht geweckt. Oder störe ich?“ Viktors Stimme klang fröhlich.
„Nein, ach was, sie stören gar nicht“, erwiderte Leah.
Jonas schaute empört auf, dann zog er ihr T-Shirt etwas hoch und küsste sie auf den nackten Bauch.
Oh Gott, dachte Leah, sie zog Jonas am Ohr. „Lass das!“
„Wie geht es denn bei ‚Mandebach’?“, fragte Leah in einem freundlichen Plauderton, offenbar provozierte sie Jonas damit noch mehr.
Er ließ seine Zunge über ihren Bauch kreisen und vergrub seinen Kopf unter ihrem Shirt, langsam arbeitete er sich immer weiter nach oben vor.
Leah schwirrten die Sinne, doch sie zwang sich nicht unhöflich zu sein, und lauschte Viktors Erzählungen.
Ab und zu stellte sie ein paar Fragen, auf die Viktor nur allzu begeistert einging. Scheinbar wurde es Jonas jetzt unter dem Shirt zu eng und er schob es über ihre Brüste.
„Hey!“ Leah schrie leise auf, Jonas grinste nur und zog die Bettdecke etwas höher.
„Stimmt irgendetwas nicht?“, fragte Viktor interessiert.
„Nein“, keuchte Leah. „Alles in Ordnung!“ Sie versuchte Jonas abzuwimmeln, doch das erwies sich als sehr schwierig. Zunächst ganz behutsam, dann immer leidenschaftlicher liebkoste er ihren Busen und streichelte zärtlich ihre Brustwarzen.
„Herr Pech, ich rufe sie später noch mal an“, atemlos legte sie auf.
Jonas hörte augenblicklich auf und rollte sich zufrieden auf seine Betthälfte zurück.
„Spinnst du?“, funkelte Leah ihn an. „Was fällt dir eigentlich ein?“
„Wieso ruft er immer noch jeden Tag hier an? Sag’ ihm endlich, dass wir ein Paar sind!“
„Das hätte ich ja vielleicht auch gemacht! Aber … aber du hast mich abgelenkt!“
Er lachte leise auf und zuckte nur mit den Schultern, Leah zog ihr Kissen hinter ihrem Rücken hervor und schmiss es ihm ins Gesicht.

„Guten Morgen.“ Mathilde kam freundlich lächelnd zur Tür hinein.
„Frau Paulsen, wenn Sie sich danach fühlen, können Sie ruhig heute ein wenig rausgehen. Aber nur in Begleitung, falls das möglich ist.“ Sie warf einen spöttischen Blick zu Jonas, der mit einem Auge unter dem Kissen hervorlugte.
„Klar – ich kümmere mich um Leah“, nuschelte es gedämpft.
„Na bestens. Ich bringe gleich das Frühstück – und die Blumen“, grinste Mathilde und entschwand.
„Ich liebe es, wenn du mir ausgeliefert bist“, raunte Jonas ihr ins Ohr und biss Leah in den Hals.
„Spinner“, kicherte sie, sie stand auf und ging langsam ins Bad. Als sie am Waschbecken angekommen war, drehte sich wieder alles leicht um sie herum. Wann hört das endlich auf? Sie atmete tief durch und stieg unter die Dusche.
Als sie fertig war, suchte sie sich in ihrem Kleiderschrank die passenden Sachen heraus. Wenn sie raus durfte, konnte sie auch wieder mal Jeans anziehen. Leah bückte sich und zog die Hose aus dem unteren Fach heraus. Als sie wieder hochkam, schwankte das Zimmer bedrohlich.
„Jonas“, rief sie entsetzt, zu ihrem Glück war er schnell bei ihr und trug sie aufs Bett.
„Leah, ich hätte dir auch die Sachen aus dem Schrank geholt“, schimpfte er mit ihr. „Warum bist du nur so unvernünftig, hm?“
„Weil ich endlich wieder normal leben will“, flüsterte sie.
„Das wirst du bald.“ Er küsste sie auf die Stirn. „Soll ich dir beim Anziehen helfen?“ Er zwinkerte ihr spitzbübisch zu.
„Nein! Auf gar keinen Fall“, meckerte Leah, musste dann aber auch grinsen. Sie setzte sich wieder auf und umarmte ihn. „Ich liebe dich, Jonas“.

Nach dem Frühstück ging es Leah etwas besser. Die Schwester verdonnerte sie aber zu ihrem Unwillen dazu, den Rollstuhl mitzunehmen. Sie protestierte, doch Jonas drückte sie einfach hinein und schob sie in den Park, er schaute sich zu Leahs Verwunderung immer wieder um.
„Suchst du jemanden?“, fragte sie erstaunt.
„Nein, nein“.
Sie stand auf und ging ein paar Schritte auf den Rasen, sofort war Jonas neben ihr.
Er griff nach ihrer Hand und sie verschränkte ihre Finger in seinen.
„Ich werde Viktor nachher noch mal anrufen.“ Sie sah Jonas ernst an. „Ich werde ihm von uns erzählen“.
„Das ist gut so“, strahlte er und küsste sie auf die Stirn.

„Na, da sind ja meine Turteltäubchen!“ Trudes Stimme schrillte durch den Park. Sie kam in Begleitung von Hans und Hannelore, die Leah herzlich drückten.
Ein Hundebellen lenkte Leah von ihren Eltern ab, Pitti sprang aufgeregt an ihr hoch und sie bückte sich um ihn zu streicheln.
Sofort schmiss er sich auf die Seite und ließ sich kraulen. „Danke, dass ihr ihn mitgebracht habt“, freute Leah sich.
„Wir dürfen uns nur nicht erwischen lassen“, kicherte Trudchen. „Hunde dürfen nicht in den Krankenhauspark“.
„Ach Trude, dir gehört doch das halbe Krankenhaus, da werden die doch wohl mal eine Ausnahme machen.“ Leahs Vater sah Trude spöttisch an.
„Stimmt auch wieder“, pflichtete sie ihm bei.

Hannelore hatte Kuchen gebacken und eine Decke mitgebracht und so ließen sich alle auf dem Rasen nieder. Jonas hatte Leah zwischen seine Beine gezogen und sie lehnte mit dem Rücken an seiner Brust. Hin und wieder tauschten sie verliebte Blicke und die Zeit schien dann für einen kurzen Moment einfach still zu stehen.
Am Abend bat Leah Jonas sie für einen Moment allein zu lassen und sie wählte Viktors Nummer, nach einigen Höflichkeitsfloskeln kam Leah dann zum Punkt.
„Ich … ich danke Ihnen für die Blumen. Sie sind wirklich wunderschön. Aber Sie sollten wissen, dass ich mit Jonas zusammen bin. Richtig zusammen bin. Und vielleicht möchten Sie sich das dann mit den Blumen noch mal überlegen?“
Leah schluckte, es kam erst mal keine Antwort von ihm. „Ach verdammt Viktor“, begann Leah erneut. „Ich hasse dieses Siezen, wir waren doch schon mal beim ‚Du’. Hör zu …“ , bat sie ihn, immer noch war da nur Stille auf der Seite der Leitung.
„Ich mag dich wirklich gerne, du bist witzig, charmant und liebenswert. Ich mag es wie du lächelst und wie du mich zum Lachen bringst, aber … aber ich habe mich in Jonas verliebt.“ Sie atmete tief durch.
„Okay“, kam es nach einiger Zeit leise. „Ich hab’ verstanden. Ich hab’s mir auch schon fast gedacht. Trude hat so was angedeutet.“
„Trude? Sie, äh, du hast mit Trude telefoniert?“ Leah war mehr als verblüfft.
„Ja, heute Morgen.“
„Und äh … warum?“ Sie traute ihrer Tante keinen Meter mehr über den Weg seit dem Gespräch gestern.
„Ach, nur so“, wich er aus, Leah stocherte noch ein bisschen nach, aber sie konnte ihm nichts mehr entlocken.
„Leah?“
„Ja?“
„Ich … ich mag dich wirklich sehr gern.“ Es klang ein wenig zerknirscht. „Und obwohl ich glaube, dass Jonas Steffen der absolut falsche Mann für dich ist, wünsche ich dir alles Gute.“
Leah atmete erleichtert auf.
„Aber wenn du es dir noch mal anders überlegen solltest … ich bin dabei.“ Er lachte leise.
„Danke für das Angebot“, kicherte sie.
„Ich freue mich schon darauf, wenn du wieder da bist“, sagte er freundlich.
„Ich mich auch.“ Sie verabschiedeten sich. Das ging ja einfacher, als ich dachte!

Kurze Zeit später kam Jonas wieder herein. „Und? Hast du es ihm gesagt?“, fragte er neugierig.
„Ja, hab’ ich … “ Leah runzelte die Stirn. Sie erzählte, dass er und Trude miteinander telefoniert hätten, auch Jonas wurde stutzig.
„Da ist doch irgendwas im Busch, oder?“, fragte er misstrauisch.
„Bei meiner Tante? Geh davon aus“, brummte Leah.