Schützenfest – Teil 42

„Hallo, Ihr Zwei“, flötete Trude am nächsten Tag, sie kam mit Leahs Eltern am späten Vormittag zurück.
Leah und Jonas hatten es sich bei strahlendem Sonnenschein auf zwei Liegen gemütlich gemacht.
„Hattet ihr einen schönen Abend?“ Ihre Tante musterte Leah neugierig.
„Ja, danke.“ Leah wurde unter Trudes Blick unbehaglich.
Trude lächelte Leah an. „Gut siehst du aus, Liebelein. Übernächtigt, aber gut …“ Sie grinste und ging ins Haus.
Leah schaute verblüfft zu Jonas. „Jetzt sag’ mir nicht, dass mir irgendwas ins Gesicht geschrieben steht!“
Er grinste sie an. „Es tut mir leid, Schatz. Eigentlich wollte ich es nicht, aber irgendwie ist es wohl passiert …“
„Was ist passiert?“
Er stand von seiner Liege auf und hockte sich vor sie, sein Blick ruhte auf ihrem Hals. „Du hast da einen Fleck …“
„Du hast mir einen Knutschfleck gemacht. Ich bring dich um, Jonas“, funkelte sie ihn an, sie tastete ihren Hals ab.
Er lachte laut. „Ich war nicht zurechnungsfähig …“ Er legte seinen Kopf auf ihren Bauch und sah treu zu ihr auf.
„Du bist unmöglich, was sollen denn meine Eltern jetzt denken!“, motzte Leah weiter, allerdings schon wesentlich gnädiger gestimmt.
„Das der zukünftige Mann ihrer Tochter sie über alles liebt.“
„Das wissen sie ja noch nicht“.
Er nahm ihre Hand und zog sie von der Liege hoch. „Dann wird es wohl mal Zeit, dass sie es erfahren…“

Leah fühlte sich etwas überrumpelt, doch sie freute sich auch darüber, dass Jonas es so eilig hatte, allen davon zu erzählen.
Er trommelte Trude und ihre Eltern im Wohnzimmer zusammen, dann griff er nach Leahs Hand und drückte sie nervös.
„Also – wir wollen euch etwas sagen …“, stammelte er, Jonas sah Leah kurz an, sie schmunzelte, denn er schien wirklich sehr aufgeregt zu sein.
„Ich habe Leah gestern gefragt, ob sie mich heiraten möchte.“
Hans‘ Augen weiteten sich und er sah seine Frau verwundert an.
„Und Leah hat ‚Ja’ gesagt – wir sind also jetzt wirklich verlobt.“ Jonas atmete tief aus.
„Verlobt?“ Trude hatte als erstes die Sprache wieder gefunden und grinste übers ganze Gesicht. „Das nenn’ ich doch mal originell!“
„Da brat mir doch einer ‚nen Storch!“ Leahs Vater kämpfte sichtlich um seine Fassung. „Sie haben’s aber eilig, Herr Steffen“.
„Ja, ich äh, ich also, ich dachte, bevor Leah wieder ganz gesund ist und sie mir weglaufen kann, nagel’ ich sie lieber fest.“ Jonas stutzte kurz, wurde knallrot im Gesicht, was Trude dazu veranlasste, laut loszuprusten, hastig sprach er weiter. „Also, ich meine natürlich – Oh Gott – ich … ich …“
„Nehmen wir doch die Formulierung ‚halte sie fest’, klingt doch irgendwie schöner“, unterbrach Trude Jonas‘ Gestammel.
„Genau das mein’ ich.“ Er lächelte ihr dankbar zu. „Ich habe schon viel zu lange gebraucht, um zu merken, wie sehr ich Ihre Tochter liebe.“ Jonas zog Leah an sich und hielt sie fest im Arm. „Und ich hoffe, Sie nehmen mir meine Überrumplungsaktion nicht übel.“ Er hatte seine Souveränität wiedergewonnen und sein charmantestes Lächeln aufgesetzt.
Hannelore erwiderte es zögerlich. „Na ja, ein bisschen überrascht sind wir schon“, sagte sie leise. „Aber wenn Ihr beide euch aufrichtig liebt …“
„Ja Mama, das tun wir.“ Leah strahlte ihre Eltern an.
„Dann wünsch’ ich dir alles Gute, mein Schneckchen.“ Es glitzerte verdächtig in Hans‘ Augen.
„Danke Papa.“ Leah gab ihm einen Kuss auf die Wange, dann wandte er sich an Jonas.
„Und Sie behandeln mein Goldstück gut – sonst gibt’s was hinter die Löffel, verstanden?“ Er zwinkerte Jonas zu und schüttelte ihm kräftig die Hand.
„Klar, Herr Paulsen“.
„Ich denke, das ist doch ein Grund zum Feiern, oder nicht?“ Trude stand auf einmal mit einer Flasche Champagner und fünf Gläsern im Raum.
Die Situation entspannte sich schnell und nach dem zweiten Glas waren dann auch Jonas und Leahs Eltern beim ‚Du’ angekommen.

Leah und Jonas nutzten den Nachmittag zu einem Spaziergang am Strand. Zwar musste sie zwischendurch immer mal eine kleinere Pause einlegen, doch so langsam fühlte sie sich immer sicherer auf den Beinen.
„Was meinst du, wie deine Eltern reagieren werden?“, fragte sie Jonas, der ausgestreckt im Sand lag und gerade von Pitti ein angesabbertes Stöckchen auf den Bauch gelegt bekam.
„Ich denke, meine Mutter wird sich freuen … und mein Vater, hm. Keine Ahnung. Aber das ist nicht wirklich wichtig“, antwortete Jonas mürrisch und schmiss mit angewiderten Gesicht Pittis Stöckchen wieder weg.
„Für mich schon“, sagte Leah leise. „Ich meine, ich bin ja nicht gerade, na ja, meine Eltern sind einfache Leute und vielleicht hätten sie lieber jemanden aus anderem Elternhaus gehabt“.
Jonas setzte sich jetzt endgültig auf und legte einen Arm um Leah.
„Du hast einen tollen Job bei ‚Mandebach‘ – was sollten meine Eltern also zu beanstanden haben. Leah Paulsen – du denkst zuviel nach!“ Er küsste sie auf die Nasenspitze.
„Ja, aber trotzdem …“ Leah war es unbehaglich bei dem Thema.
„Nichts trotzdem“, flüsterte Jonas und kam ihrem Mund sehr nahe. „Und wenn du gleich nicht still bist, bringe ich dich zum Schweigen“.
„Trotzdem trotzdem“, sagte Leah lächelnd.
Jonas küsste sie sanft auf den Mund und drückte Leah vorsichtig zurück in den Sand. Seine Küsse verursachten in Leah immer wieder dieses wunderbare Kribbeln und der Kuss wurde gerade fordernder, als Pitti wieder angerast kam und so scharf vor ihnen abbremste, dass die beiden mit Sand bespritzt wurden.
„Wir müssen noch über Haustiere reden. Ich will keine!“, brummte Jonas und streifte sich den Sand von seinem Sweatshirt.
Leah beobachtete grinsend, wie er Pitti wieder den Stock wegschmiss.
„Und was ist mit Kindern?“, fragte sie vorsichtig.
„Kinder? Jederzeit.“ In seine Augen flackerte es schelmisch auf. Wieder drückte er Leah in den Sand. Er ließ eine Hand unter ihrem Oberteil verschwinden und begann sie sanft zu küssen. „Ich kann dir sofort ein Baby machen, wenn du willst.“
Leah wurde knallrot im Gesicht und zog seine Hand wieder hervor. „Spinner!“, schimpfte sie mit ihm.
„Ich meinte die Frage ernst, Jonas!“ Leah sah ihm direkt ins Gesicht.
„Und ich meine Antwort auch. Ich möchte gerne Kinder haben.“ Eine erneute Sandwelle rieselte über sie herein und Pittis Gehechel unterbrach die beiden.
„Dieses Vieh!“, schimpfte Jonas und sprang auf, er reichte Leah die Hand und zog sie hoch.
„Ich möchte gerne mit dir eine Familie gründen – aber erst werde ich diesen Hund erschlagen!“ Jonas rannte hinter Pitti her, der fröhlich vor ihm umher hopste und ihm immer wieder Haken schlug.

Eng umschlungen gingen sie zurück zur Villa. Leahs Eltern schienen sich mit dem Gedanken an eine Heirat von Jonas und ihr so langsam abgefunden zu haben. Hans stieß laufend mit Jonas an und Leah beobachtete amüsiert, wie Jonas und Hans langsam aber sicher immer angeheiterter wurden.
„Du biss mir eh lieba als der komische Pech“, resümierte Hans schließlich.
„Das hör’ ich gern“, grinste Jonas bis über beide Ohren.
„Viktor iss’ ja auch kein Name für’n Kerl, oda?“, hickste Leahs Vater.
„Nee, geht gar nich’“, antwortete Jonas kichernd.
Leah verdrehte nur die Augen und beschloss, schlafen zu gehen.
„Tschüss, mein Zuckerschnütchen“, lallte ihr Vater und Jonas klopfte ihr noch zum Abschied auf den Po, Leah warf ihm einen vernichtenden Blick zu. „Schlaf gut, mein Lieblings-Schneckchen.“

Jonas war am nächsten Morgen nicht wach zu bekommen. Er schlief wie ein Toter und schaffte es gerade, ein Auge zu öffnen, als Leah aufstand. Sie beschloss, ihn schlafen zu lassen und ging schon mal frühstücken. Gegen Mittag erschien Jonas mit verstrubbelten Haaren und geschwollenen Augen. „Wo warst du?“, brummte er Leah an, die sich mit einem Buch auf dem Sofa ausgestreckt hatte.
„Wie? Wo war ich?“, fragte sie verwundert.
„Du musst doch bei mir bleiben, wenn es mir nicht gut geht.“ Er schaute sie vorwurfsvoll an.
„Du warst sturzbetrunken – was soll ich dann bei dir?“
„Händchen halten natürlich – Wasserflaschen reichen – Tabletten auflösen …“
„Träum’ weiter“, kicherte Leah.
„Du bist herzlos!“ Er ließ sich auf Leah fallen und schmiss ihr Buch zur Seite.
„Jonas – du wirst langsam schwer“, keuchte sie.
„Selbst Schuld – ich hole mir jetzt die Aufmerksamkeit, die mir heute Morgen von dir verwehrt wurde“.
Leah verdrehte die Augen, sie begann aber, ihm sanft den Kopf zu Massieren und Jonas quittierte dies mit einem zufriedenen Seufzen.
Dann ließ sie seinem Nacken die gleiche Behandlung zuteilwerden, er stöhnte leicht auf. „Schön, mehr …“
„Na, Ihr beiden?“ Trude stand lächelnd neben dem Sofa. „Ist dein Zukünftiger wieder einigermaßen tauglich?“
„Es geht so“, antwortete Leah.
„Ich muss mal mit euch reden …“, begann Trude. „In drei Wochen werde ich in die Toskana ziehen. Vorher gebe ich aber noch ein großes Abschiedsfest. Und Ihr seid natürlich auch eingeladen“.
„Oh, schön“, lächelte Leah. „Dann werden wir ja eher nach Usedom zurückkehren, als wir dachten“.
„Ja, das werdet ihr. Und ich möchte dich bitten, Jonas, deinen Eltern die Einladung zu überbringen.“ Sie reichte ihm einen Umschlag.
„Meinen Eltern?“ Er schaute Trude verblüfft an. „Das muss aber nicht sein.“
„Ich möchte es aber“, sagte Trudchen bestimmt.
„Na gut“, murmelte Jonas und stupste Leah an, damit sie ihn weitermassierte.