Eine zweite Chance – Teil 27

Das Feuer knisterte gemütlich im Kamin. David hatte eine Decke geholt und sich und Charlotte darin eingewickelt. Er hätte ewig so mit ihr hier liegen können.
Doch er wusste, dass es nicht am Sex lag. Darin hatte nun wirklich mehr als genug Erfahrung. Es war diese innere Verbundenheit zu ihr, eine tiefe Liebe, die alles intensiver machte. Es war schöner, zärtlicher, besser mit ihr. Unvergleichlich eben.

Er betrachtete sie liebevoll. Sie hatte die Augen geschlossen, schien eingeschlafen zu sein. Jetzt sah man die Ähnlichkeit mit Suri. David lächelte in sich hinein. Charlotte hatte wirklich ganz bezaubernde Kinder.
Kinder? Plötzlich wurde es David siedendheiß. Sie hatten nicht ein einziges Mal verhütet. Er hatte nicht gefragt – sie hatte auch nichts gesagt.
Verdammter Mist!, schrie alles in ihm. Er musste das jetzt unbedingt mit ihr klären.
Vorsichtig tupfte er kleine Küsse auf ihren Mund, sie öffnete müde die Augen.
„Hey“, flüsterte sie zärtlich und ging auf seine Liebkosungen ein. Er räusperte sich verlegen. „Charlie …“
„Hm?“
„Wir haben eben nicht verhütet.“ Er sah sie ein wenig zerknirscht an.
„Wir nicht – ich schon“, neckte sie ihn. „Das fällt dir aber sehr früh ein, Herr Herbold.“
„Du hast … also nimmst du die Pille?“ Ein Stein plumpste ihm von seinem Herzen.
„Ich habe eine Hormonspirale“, erklärte sie ihm, sie rollte sich auf den Bauch und sah ihn von der Seite an. „Keine Sorge.“
„Versteh’ mich nicht falsch. Ich denke nur, dass für ein Baby vielleicht nicht unbedingt der richtige Zeitpunkt wäre.“
„Nein – natürlich nicht. Die beide Flöckchen müssen sich an dich gewöhnen, ein Baby wäre nicht gut.“
Doch das Thema ließ David nicht mehr los. „Würdest du denn noch ein Kind wollen?“, fragte er sie zaghaft. „Mit mir?“
Charlotte schaute ihn ernst an. „Vielleicht. Ich weiß nicht, lass uns abwarten, was die Zeit mit sich bringt, ja?“
„Ja, meine Schöne.“ Er stützte sich auf seinen Ellenbogen und kümmerte sich wieder um ihren Rücken.

Charlotte genoss seine Zärtlichkeiten. Innerlich musste sie grinsen. Sie hatte sich schon gefragt, wann er von sich aus auf das Thema ‚Verhütung’ kommen würde. Aber jetzt nagte es in ihr. Würde sie wirklich noch ein Kind wollen? Mit David?
Doch dann schob sie den Gedanken weg. Suri und Luna waren jetzt wichtiger. Es galt alles daran zu setzen, dass sie David als ihren Partner akzeptierten. Und wenn das klappen sollte, konnte man vielleicht weiter denken.

Irgendwann in dieser Nacht schafften sie es tatsächlich ins Bett. Und obwohl sie so müde war, fand Charlotte nicht direkt in den Schlaf. Sie betrachtete den schlafenden Mann neben sich, schaute ihn voller Liebe an. Seine Gesichtszüge waren entspannt, er sah friedlich aus – und sehr harmlos. Viel zu harmlos.
Die Nacht war einfach der Wahnsinn gewesen. Sie hatte sich selbst nicht mehr gekannt. Diese Leidenschaft, dieses Verlangen, dass sie empfunden hatte, hatte sie fast schon erschreckt.
Der Sex, den sie bisher mit Jonny gehabt hatte, war auch schön gewesen. Doch das war etwas ganz anderes gewesen. Mit David war es eine wirkliche Vereinigung – nicht nur körperlich – auch auf einer völlig anderen Ebene.
Charlotte schämte sich ein bisschen, bekam ein schlechtes Gewissen ihrem verstorbenen Mann gegenüber. Doch sie konnte nichts dafür, es war die Wahrheit. Mit David schien einfach alles perfekt zu sein. Vor dem Sex mit Jonny hatte sie keine Vergleichsmöglichkeit gehabt, die hatte sie nun. Charlotte rutschte näher an ihn heran, kuschelte sich an ihn.
Davids Hand legte sich auf ihre Hüfte, streichelte sie zart, dann wurde sie merklich schwerer.
„Schlaf gut, ich liebe dich“, flüsterte sie leise.
„Hm …“, kam es kurz brummend.

Die Sonne schien in sein Schlafzimmer und kitzelte ihn an der Nase. Verschlafen öffnete er die Augen, sofort fiel ihm die gestrige Nacht wieder ein. Er schaute sich suchend nach Charlotte um, sie lag völlig eingerollt unter der Decke. Nur ein paar blonde Locken lugten hervor.
Vorsichtig zog er die Decke ein wenig weg, sie schlief noch tief und fest. Er hauchte ihr einen Kuss auf die Nasenspitze und ging unter die Dusche.
Auch als er sich anzog, wurde Charlotte nicht wach. Sie schien noch sehr müde zu sein.
Kein Wunder, dachte David. Noch immer konnte er nicht glauben, was sie für eine leidenschaftliche Nacht hinter sich hatten.
Irgendwann am frühen Morgen war er wach geworden, Charlotte lag leicht auf ihm. Ihre nackte Haut an seiner zu spüren hatte schon ausgereicht, um ihn wieder zu erregen. Er hatte sie zärtlich gestreichelt, auf diese Weise geweckt. Als sie bemerkt hatte, was er tat, hatte sie ihn nur angelächelt und sie hatten sich sehr sanft geliebt.
Nein, er konnte einfach nicht genug von ihr bekommen.

Leise ging er hinunter in die Küche, bereitete ein Frühstück vor und balancierte mit einem Tablett zurück ins Schlafzimmer. Charlotte hatte ihre Position nicht einen Millimeter verändert, auch als er sich zu ihr aufs Bett setzte und das Tablett abstellte, muckste sie sich nicht.
Kaffee … Ein verlockender Duft drang in Charlottes Nase.
Irgendwie roch es nach Kaffee. Noch kämpfte sie mit sich, ob es das wirklich wert war, die Augen zu öffnen, doch dann siegte einfach der Drang nach einer Koffeindosis.
Sie zwinkerte ein wenig und entdeckte dann ein Tablett mit Croissants, Brötchen und einer Kaffeetasse. Ungläubig öffnete sie jetzt ganz die Augen und setzte sich im Bett auf.
Sie hörte ein leises Lachen und bemerkte David, der am Fußende des Bettes saß und eine Tasse in der Hand hielt.
„Guten Morgen“, sagte er sanft.
„Morgen.“ Sie lächelte verlegen, nahm sich auch eine Tasse. „Bist du schon lange wach?“, nuschelte sie.
„Nein, seit einer halben Stunde ungefähr“, antwortete er ihr. Sie saß mit freiem Oberkörper vor ihm, schien das noch gar nicht registriert zu haben. Doch seine Sinne sprangen sehr deutlich darauf an. Er zwang sich, sich zusammenzureißen und sie in Ruhe zu lassen.
Charlotte genoss den heißen Kaffee, dann schaute sie an sich hinunter und erschrak. Sie war ja noch nackt! Schnell zog sie die Bettdecke über ihre Blöße und sah David unsicher an. Das Funkeln in seinen Augen ließ keinen Zweifel zu, dass er sich gut über sie amüsierte.
„Wann musst du die Mädchen holen?“ Er beschloss, sie aus der peinlichen Situation zu erlösen und ein unverfängliches Thema einzuschlagen.
„Ich rufe gleich mal bei meinen Eltern an. Eigentlich sollen sie bis zum Spätnachmittag dort bleiben.“
„Spätnachmittag?“ In Davids Augen blitzte es auf. „Dann haben wir also noch viel Zeit?“
„Ja“, antwortete Charlotte und schnappte sich ein Croissant. „Viel Zeit, um ausgiebig zu frühstücken, zu duschen, zu kochen …“, grinste sie ihn an.
David stellte seine Kaffeetasse ab und krabbelte schnell unter ihre Decke.
Charlotte quietschte auf, als sie seinen Mund an ihren Beinen spürte. Er arbeitete sich langsam küssend ihren Körper hinauf.

Irgendwie schafften sie es tatsächlich das Frühstück im Bett zu beenden. Es war mittlerweile schon später Vormittag und Charlotte nahm sich ihr Handy, um ihre Eltern anzurufen.
Sie hatte schon damit gerechnet, dass eine ihrer Töchter am schnellsten am Telefon war, sie war jetzt gespannt, wen sie dran hatte.
„Luna Maria Woźniak – äh, bei Siegel“, hörte sie die zarte Stimme ihrer Ältesten.
„Hallo Schatz.“
„Mami!“, kam es laut aus der Leitung.
„Was macht ihr?“
„Wir machen gleich mit Oma und Opa einen Ausflug!“, berichtete Luna lebhaft.
„Das ist schön. Gibst du mir mal einen von den beiden?“
„Ja. Opi!“, brüllte Luna in den Hörer und Charlotte hielt das Handy auf Abstand.
David grinste sie an. Offensichtlich hatte er Lunas Ruf auch gehört.
„Na, was gibt es denn?“
„Hallo Papa. Ich wollte nur mal fragen, wann ich die Kleinen abholen soll“.
„Ach Mäuschen – denen geht es hier so gut, du kannst sie gerne noch eine Nacht hierlassen“, lachte ihr Vater.
Charlotte stutzte, freute sich aber insgeheim über sein Angebot. Die Aussicht auf ganz viel mehr David war doch verlockend.
„Wirklich?“, fragte sie sicherheitshalber noch nach.
„Ja klar … Warte mal.“ Sie hörte, wie ihr Vater nach Suri und Luna rief. Dann stellte er laut die Frage, ob sie noch mal bei ihnen schlafen wollten. Als Antwort kam ein lautes ‚Ja’.
„Hast du gehört?“
„Ja … dann … dann bleiben sie also noch eine Nacht“, sagte sie zögernd. Sie fing Davids Blick auf, er strahlte sie an.
„Bis morgen.“ Ihr Vater hatte dann direkt aufgelegt.

„Hey – das hört sich gut an.“ David zog Charlotte zu sich aufs Sofa und küsste sie zärtlich. Sofort bekam Charlotte eine Gänsehaut.
„Ja, aber sollen wir nicht ein bisschen raus? Es ist schönes Wetter“, wandte Charlotte ein. Sie konnte wirklich ein wenig frische Luft gebrauchen.
David machte ein übertrieben leidendes Gesicht. „Okay …“
Charlotte küsste ihn sanft auf die Nase. „Aber ich muss mir vorher andere Sachen anziehen.“
„Von mir aus …“, lächelte er.