Eine zweite Chance – Teil 28

„Na Charlie …“ Ihr Vater umarmte sie heftig, dann schüttelte er David herzlich die Hand. „Und das halbe Hemd. Habt Ihr ein schönes Wochenende gehabt?“
„Haben wir“, antwortete David und hauchte Charlotte einen Kuss auf die Wange. Dann bat ihn Heidi ins Wohnzimmer, in dem die Kinder saßen.
„Du siehst ganz schön müde aus.“ Ihr Vater hielt sie am Arm zurück und grinste sie breit an.
Charlotte spürte, wie sie errötete, und schaute verlegen auf den Boden.
„Ist doch nicht schlimm. Wenn man verliebt ist, dann hat man halt andere Dinge zu tun, als zu schlafen.“
„Papa!“, stammelte Charlotte empört.
„Ich freu mich doch für euch“, lachte Stefan und schob sie vor sich her ins Wohnzimmer.
„Mami!“ Luna stürmte auf sie zu und umarmte sie wild.
„Hallo Schatz“, lachte Charlotte. „War es schön bei Oma und Opa?“
„Ja.“ Luna nickte eifrig und ihre Löckchen flogen dabei wild herum.
„Ich hab’ was zu essen gemacht“, erklärte Heidi lächelnd. „Bitte setzt euch doch.“ Sie deutete auf den Küchentisch.

David hatte wirklich Hunger und er freute sich über die Einladung. Das Essen schmeckte vorzüglich und es war schön, wie eine ‚richtige’ Familie mit allen am Tisch zu sitzen.
Nach dem Essen schenkte Charlottes Vater noch seinen Schnaps aus – David konnte sich noch allzu gut an das Gebräu erinnern. Doch ablehnen wollte er auch nicht, zwang sich aber, nach zwei Gläsern abzubremsen.
Charlotte saß dicht neben ihm auf dem Sofa, er spürte ihr Bein an seinem nur allzu deutlich. Wie gerne würde er sie jetzt einfach an sich ziehen und sie küssen, doch das ging natürlich nicht. Auch wenn Charlottes Eltern eingeweiht waren, die beiden Mäuschen wussten noch nichts und sollten sich ja langsam an die beiden als Paar gewöhnen.
Luna kam zu Charlotte und kletterte auf ihren Schoss, dabei stützte sie sich mit einer Hand auf Davids Knie ab. Sie saß jetzt ebenfalls ganz dicht bei David, offenbar schien das die Kleine nicht mehr zu stören.
Suri sah auf und kam ebenfalls sofort zu ihm. David musste innerlich schmunzeln, offenbar war seine kleine Mini-Blondine doch ein bisschen eifersüchtig. Sie krabbelte auf ein Bein von David und strahlte ihn entwaffnend an.

Am frühen Abend drängte Charlotte dann zum Aufbruch. Morgen früh sollten die beiden wieder in den Kindergarten und dann hieß es zeitig aufstehen.
Charlotte umarmte ihre Eltern herzlich und bedankte sich nochmals für das Babysitten.„Nichts zu danken. Es ist schön, dich wieder so strahlend zu sehen“, sagte ihre Mutter leise und es glitzerte dabei in ihren Augen.
„Ich bin wirklich glücklich“, flüsterte Charlotte in Heidis Ohr. „Ich … ich hab’ selbst nicht mehr daran geglaubt.“
„Genieße es. Und die Flöckchen werden sich schon an ihn gewöhnen. Eben saht ihr schon aus wie eine kleine Familie.“ Ihre Mutter schluckte heftig, auch Charlotte hatte einen Kloß im Hals. Sie wusste, wie sehr Heidi Jonny gemocht hatte. „Danke Mama“, sagte sie nur leise.

„Kommst du noch mit?“ Suri hatte wieder ihren gefürchteten Dackelblick drauf und sah David treu an. Hilfesuchend schaute er zu Charlotte.
„Natürlich“, sagte sie und sie gingen alle zusammen in die Wohnung.
„Ihr beide macht Euch aber jetzt fertig fürs Bett.“ Sie wies auf die Türen der Kinderzimmer.
„Kommst du auch Gesisste vorlesen?“, fragte Suri David weiter.
„Mir auch?“, kam es leise von Luna.
David sah sie verblüfft an. „Sehr gerne, meine Süße.“ Er stupste sie zärtlich auf die Nase.
Schnell huschten die beiden in ihre Zimmer, um sich umzuziehen.
„Bleib’ heute hier.“ Charlotte schmiegte sich in seine Arme.
„In deinem Schlafzimmer?“, raunte er in ihr Ohr.
„Nein – das geht nicht – noch nicht. Aber ich möchte, dass es für die Kinder selbstverständlich wird, dass du hier bist. Auch morgens. Das heißt …“ Sie schaute verlegen auf den Boden. „Wenn du das auch möchtest, natürlich.“
David hob sanft ihr Kinn an. „Mehr als alles andere“, murmelte er und hauchte kleine Küsse auf ihren Mund.

Nach zwanzig Minuten kamen die kleinen Mäuse nach Zahnpasta duftend und in Schlafanzügen zu David ins Wohnzimmer.
„David schläft heute Nacht hier im Gästezimmer“, erklärte Charlotte ihnen.
„Oh ja!“ Suri hopste aufgeregt Auf und Ab. „Dann brauchst du ein Ssmusetier.“ Schnell tippelte sie in ihr Zimmer, nach kurzer Zeit kam sie mit einem kleinen Plüscheisbär zurück. „Hier.“
„Danke Suri“, grinste David.
„Du kannst die Tür ein bisschen auflassen, dann kommt Licht ins Zimmer und es ist nicht so dunkel“, erklärte Luna ihm wichtig.
„Oh ja, danke für den Tipp.“
„Und jetzt die Gesisste“, nickte Suri.
„Okay. Habt ihr eine Lieblingsgeschichte?“
„Ja!“ Jetzt rannte Luna los und holte ein Buch.
„Tabaluga?“, fragte David die beiden.
„Ja – das ist toll. Hat Papili uns auch immer vorlest“, sagte Suri und schmiegte sich in seinen Arm.
Luna zögerte noch einen Moment, dann tat sie das Gleiche.
Charlotte schaute den Dreien mit einigem Abstand zu. David machte das alles gut – sehr gut. Fast wie … Sie schluckte. Fast wie ein Papa.
Luna und Suri hörten ihm andächtig zu, während er vorlas und auch Luna rückte immer näher an ihn heran. Charlotte beobachtete, dass sie David zwischendurch immer sehr genau musterte, aber offenbar legte sie ihre Vorbehalte ihm gegenüber mehr und mehr ab.
„So – und jetzt ab ins Bett!“ David sah die beiden auffordernd an.
„Noch ein bissen …“, bettelte Suri und schlang ihre Ärmchen um seinen Hals.
„Noch was lesen – bitte“, auch Luna stupste ihn jetzt in die Seite. David sah sich einer geballten Ladung Dackelblicken gegenüber. Zwei Paar brauner Kulleraugen schauten ihn herzerweichend an.
Charlotte musste grinsen, David wirkte doch ein wenig hilflos und man konnte förmlich zusehen, wie er dahin schmolz.
„Nein, das reicht für heute“, kam sie ihm zur Hilfe und befreite ihn von Suri. Sie hob sie hoch und reichte dann auch Luna die Hand. „Kommt jetzt, ab ins Bett!“
„Aber Taffitt soll Gute-Nacht sagen kommen“, bettelte Suri.
„Mir auch ja?“, fragte Luna ihn leise.
„Natürlich – nichts lieber als das“, lächelte er ihr zu und streichelte über ihre braunen Kringellöckchen.

Suri plapperte in ihrem Bettchen noch munter auf ihn ein, doch irgendwann zwang er sich, aufzustehen. Er küsste sie auf die Stirn und Suri kuschelte sich an die Stoffmaus, die er ihr mal geschenkt hatte.
Dann ging er zu Luna, die schon auf ihn wartete. Er schaute sich aufmerksam in ihrem Zimmer um, er war hier noch nie gewesen.
„Du hast ein schönes Zimmer, Luna.“
„Hat der Opa alles gemacht“, erklärte sie ihm.
„Darf ich mich zu dir setzen?“ Er deutete aufs Bett und Luna nickte.
Sie hatte viele Fotos von Jonny neben ihrem Bettchen hängen. David sah sie sich aufmerksam an, stellte ein paar Fragen, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Luna erklärte ihm alles sehr genau.
Dann ließ er sich noch mal das Wochenende bei den Siegels erzählen, war wieder fasziniert, wie gut sie redete und formulierte.
„Gute Nacht, Süße“, sagte er dann schließlich. Ihr einen Kuss zu geben traute er sich nicht, er streichelte ihr sanft durchs Gesicht und ging dann leise hinaus.

Später saßen noch lange im Wohnzimmer zusammen, redeten, schmusten zärtlich miteinander. Dann verabschiedete sich David ins Bett. Auch für ihn würde morgen wieder der Alltagstrott beginnen.
Er legte sich nur in Shorts ins Bett, Charlotte gab ihm noch einen langen Gute-Nacht-Kuss, dann trennten sie sich.
Mit einem seligen Lächeln auf den Lippen schlief sie schließlich ein.
„Mami?“ Eine piepsende Stimme weckte sie aus einem sehr anregenden Traum.
„Ja?“
„Kann nicht sslafen.“ Suri stand mit vorgezogener Lippe vor ihr und sah sie treu an.
Charlotte seufzte innerlich auf. Sie kannte Suris Masche schon, meist wollte sie einfach nur durchsetzen, im Ehebett zu schlafen. Doch Charlotte mochte das nicht. Schon in der Ehe mit Jonny legte sie sehr viel Wert auf Intimsphäre, und früher oder später würde das mit David nicht anders sein.
Sie redete beruhigend auf Suri ein, dann brachte sie sie wieder in ihr Bettchen.

David hörte, wie sich leise die Tür öffnete. Ein Lächeln umspielte seine Lippen. Charlie hält es wohl doch nicht ohne mich aus …
Es war noch dunkel, er konnte nichts genau erkennen. „Charlotte?“, flüsterte er.
„Nein – bin Suri“, kam es leise aus der Dunkelheit.
David setzte sich schnell im Bett auf und machte die Nachttischlampe an.
Eine ziemlich verwuschelte kleine Maus stand jetzt mit großen Augen vor ihm.
„Was ist denn los, Süße?“, fragte er sie sanft.
„Kann nicht sslafen … hab’ ganz sslecht träumt…“, sagte sie mit Dackelblick.
Und nu?, dachte David etwas hilflos. „Soll ich dich wieder zurück ins Bett bringen?“ Er war gerade dabei, die Beine aus dem Bett zu hieven, da huschte Suri schon schnell unter seine Bettdecke und rollte sich darunter zusammen.
„Ein bissen kusseln?“, fragte sie mit treuem Augenaufschlag.
David musste grinsen, aber er konnte ihren braunen Kulleraugen einfach nicht widerstehen. „Aber nur ein bisschen – dann geht’s wieder in dein Bettchen, okay?“
Suri nickte und robbte mit ihrer Stoffmaus an ihn heran.
David nahm sie fest in den Arm und Suri war innerhalb von wenigen Minuten tief eingeschlafen.