Eine zweite Chance – Teil 40

Charlotte stand leise auf und suchte die Bademäntel. Alle ihre Sachen lagen noch verstreut an Deck. Sie nahm sich ein Badehandtuch und wickelte sich darin ein. Auch wenn gestern keine Menschenseele zu sehen war, konnte jetzt bei dem schönen Wetter ja die Hölle auf dem See los sein. Ihre Vorsicht war nicht unbegründet, sie sah noch ein paar andere Boote, die an ihrer Bucht vorbeifuhren.
Charlotte hob erleichtert ihr Brautkleid auf, sie hatte schon Angst gehabt, dass es vielleicht von Bord geweht worden wäre.
Neugierig lugte sie in den Kühlschrank, er war gut gefüllt und so bereitete sie schon mal das Frühstück vor.

Es war einfach herrlich bei dem strahlenden Sonnenschein an Deck zu frühstücken. Das Wasser glitzerte einladend und Charlotte genoss es, David mal ganz exklusiv für sich zu haben.
„Fahren wir gleich wieder zurück?“, fragte sie ihn. Sie dachte an Suri und Luna, die laut David die Nacht bei Julius und Magdalena verbracht hatten.
„Also eigentlich wollte ich gerne bis morgen mit dir hier auf dem Boot bleiben. Meine Eltern haben nichts dagegen, die Mäuse bis dahin zu nehmen“, grinste er.
„Bis morgen?“, Charlotte schaute ihn lächelnd an. Sie freute sich darüber, natürlich war das sehr verlockend. Aber zumindest wollte sie ihre beiden Flöckchen mal anrufen.
„Hier …“ Er reichte ihr ihr Handy.
„Kannst du Gedankenlesen?“ Charlotte schaute verblüfft auf ihr Telefon.
„Nein – aber ein bisschen kenne ich meine Frau ja schon.“

„Hallo Charlotte.“ Magdalena Herbold ging ans Telefon. „Geht es Euch gut?“
„Ja, sogar sehr gut“, antwortete sie und wurde prompt ein wenig rot. Gott sei Dank konnte Davids Mutter sie nicht sehen.
„Deine Mädchen sind gerade mit Julius zu den Pferdeställen gefahren. Wenn du magst, dann rufe Julius auf seinem Handy an“, erklärte Magdalena ihr. „Die beiden waren ganz brav und ich hatte den Eindruck, dass es ihnen hier gefällt.“ In ihrer Stimme schwang ein bisschen Stolz mit, wie Charlotte feststellte.
„Das ist schön.“ Charlotte war erleichtert. „Ich denke, dann werde ich sie mit Julius in Ruhe lassen. Ich rufe heute Abend nochmal an.“
„Mach’ das. Grüß David und macht Euch noch einen schönen Tag. Die Hochzeit war übrigens wunderschön, Charlotte“, sagte Magdalena warmherzig. „Es war eine tolle Idee, es draußen zu machen.“
„Danke, das fand ich auch.“ Charlotte verabschiedete sich noch nett von Magdalena und legte ihr Handy weg.
„Und? Alles okay?“ David hatte die Augen geschlossen und den Kopf in den Nacken gelegt. Das war so einer dieser Momente, die einfach nicht vergehen durften. Das sanft schaukelnde Boot, das schöne Wetter – Charlie an seiner Seite …
„Alles bestens.“ Auch sie schloss die Augen und ließ sich von den warmen Sonnenstrahlen verwöhnen.

„Was hältst du davon, schwimmen zu gehen?“, riss David sie kurze Zeit später aus ihrer angenehmen Trägheit.
Charlotte warf einen Blick auf das einladend blaue Wasser. „Okay, ich ziehe mir meinen Bikini an.“
„Muss das sein?“ In seinen Augen blitzte es wieder frech auf.
„David – wir sind nicht alleine hier.“ Sie sah sich um, doch in diesem Moment war weit und breit kein anderes Schiff oder Leute am Ufer zu sehen.
„Ach nein?“ Er zog fragend die Augenbrauen hoch.
„Ich ziehe mir einen Bikini an“, beharrte sie, räumte unter seinem Glucksen die Frühstückssachen weg und ging hinunter in die Kajüte.
Charlotte stellte fest, dass David ihren knappsten Bikini eingepackt hatte, den sie eigentlich nur sehr selten trug. Schuft, dachte sie innerlich, doch sie zog ihn an und beschloss, sich ihre Unsicherheit nicht anmerken zu lassen.
David hatte seine Badeshorts eben schon mit angezogen und schluckte jetzt heftig, als er seine Frau in diesem winzigen Stückchen Stoff sah. Er hatte sich ihre Bikinis und Badeanzüge sehr genau angesehen und sich nicht ohne Grund diesen hier ausgesucht. Ihre Figur war wirklich umwerfend, die zwei Kinder sah man ihr nicht an.
„Hey.“ Er zog sie sanft in seine Arme. „Du siehst wahnsinnig sexy aus, Frau Herbold.“ Zärtlich knabberte er an ihrem Hals.
„Da hast du dich aber wirklich bis in die hinterste Ecke meiner Schublade gewühlt, um den Bikini hier zu finden“, neckte sie ihn.
„Quatsch, ich hab’ einfach den eingepackt, der mir als Erster in die Hände gefallen ist. Ich hab’ da gar nicht drauf geachtet.“ Er sah sie betont unschuldig an.
Ihre Augen blitzten vergnügt. „Ach so. Dann wundert es mich natürlich nicht, dass du nicht den knappsten Bikini genommen hast, den ich habe.“
„Du hast noch einen, der noch weniger Stoff hat?“ Seine Augen weiteten sich ungläubig.
Charlotte knuffte ihn in den Bauch. „Und du hast ihn doch extra ausgewählt!“
„Uns sieht ja hier keiner.“
Sie löste sich lachend vom ihm und sprang mit einem Kopfsprung ins Wasser. Es war herrlich erfrischend und sie tauchte ein paar Mal unter.

David tat es ihr gleich und sie alberten ausgelassen im See herum. Schließlich schwamm Charlotte zurück und hielt sich ein wenig an der Badeleiter fest. Verträumt sah sie David zu, der noch einmal etwas weiter rausgeschwommen war.
Dein Mann …
Immer noch viel es ihr schwer, wirklich zu glauben, dass sie mit ihm verheiratet war. Es war fast schon gespenstisch, wie glücklich sie mit ihm war und wie leidenschaftlich und liebevoll zugleich ihre Beziehung verlief.
Charlotte beschloss innerlich, jede Minute davon auszukosten, nur zu schmerzhaft kam ihr in Erinnerung, wie schnell alles vorbei sein konnte.

David konnte kaum glauben, dass sie heute wieder zurücksegeln mussten. Er hätte noch ein paar Tage länger mit Charlotte auf dem Boot bleiben können. Es waren wundervolle Stunden, voller Leidenschaft und Liebe.
Er sah ihr lächelnd beim Schlafen zu. Sie hatten den Tag gestern noch gut genutzt. Nachdem sie sich im Wasser geliebt hatten, hatten sie es doch tatsächlich geschafft und waren etwas gesegelt. Und Charlotte war wirklich eine große Hilfe. Sie lernte schnell und er konnte sich gut vorstellen, mit ihr mal einen richtig großen Törn zu machen.
Danach hatten sie sich etwas zu essen gemacht und abends noch lange an Deck gesessen. Sie hatten Kerzen aufgestellt, das Wetter blieb ihnen wohlgesonnen und sie hatten den warmen Sommerabend auf dem Boot genossen.
Etwas unwillig stand er auf und bereitete das Frühstück vor. Danach wollten sie zurücksegeln. Aber die Vorfreude auf die kleinen Mäuse entschädigte ihn dann doch etwas für das Ende seiner ausgedehnten Hochzeitsnacht mit Charlotte.
Als sie nach einer Stunde immer noch nicht wach war, küsste er sie zärtlich aus dem Schlaf.
Die Verlockung war groß, aber David zog sie dann entschlossen hoch aus dem Bett.
Eng aneinandergekuschelt frühstückten sie an Deck, dann bereiteten sie alles für die Rückfahrt vor.

Als der Anlegesteg in Sicht war, schnappte David sie sich noch einmal und küsste sie leidenschaftlich.
„Das waren die schönsten zwei Tage meines Lebens“, flüsterte er in ihren Mund.
„Für mich auch“, lächelte sie und bei dem Gedanken daran, mit welchen Aktivitäten sie diese Tage gefüllt hatten, wurde sie prompt wieder rot.