Eine zweite Chance – Teil 44

„Lenas Eltern! Wie kann man sich nur so gehen lassen!“ David schimpfte wie ein Rohrspatz und krabbelte mit missmutigem Gesicht zu Charlotte ins Bett.
„Schreit und stöhnt! Ich fass’ es nicht!“ Vorwurfsvoll sah er Charlotte an. „Sagst du gar nichts dazu?“
Charlotte hatte ihn die ganze Zeit amüsiert beobachtet. Jetzt verschränkte sie die Arme hinter ihrem Kopf und musterte ihn belustigt. „Ich kann mich daran erinnern, dass ein gewisser Herr Herbold das auch schon mal macht.“
„ABER DOCH NICHT, WENN MICH DIE MÄUSE HÖREN KÖNNTEN!“
„David bitte. Dass sie uns noch nie gehört haben, ist wohl eher Glückssache“, kicherte Charlotte.
„Wenn einer laut ist, dann ja wohl du“, neckte er sie jetzt und es blitzte in seinen Augen auf.
„Ich? Spinner!“ Sie spürte, wie es ihr merklich wärmer wurde.
„Spinner?“ David rückte jetzt näher an sie heran und seine Finger krabbelten unter ihr Schlafshirt.
Charlotte zuckte leicht zusammen, als sie seine Hände spürte, die zärtlich über ihren nackten Bauch streichelten. „So was würde ich nie tun“, protestierte sie.
„Ach nein?“ Er beugte sich über sie und tupfte ihr kleine Küsse auf den Mund.
„Niemals nicht“, seufzte Charlotte und eine Gänsehaut breitete sich über ihrem Körper aus.

Erschöpft ließ sich David auf ihr hinuntersacken. Er war völlig außer Atem und das schnelle Heben und Senken ihrer Brust zeigte ihm an, dass es ihr nicht anders erging.
Schließlich befreite er sie von seinem Gewicht, glitt aus ihr heraus. Sofort zog er ihren leicht verschwitzten Körper an sich, küsste ihren geschwollenen Mund.
„Ich liebe dich…“, stammelte er nur immer wieder.
Charlotte drückte sich an ihn, atmete tief den Duft seiner Haut ein. „Ich liebe dich auch.“
„Meinst du … also glaubst du, das war wirklich okay eben?“
„Ja – der Arzt sagt, es ist alles in bester Ordnung.“ Sie streichelte ihm zärtlich über die behaarte Brust. Ein bisschen schämte sie sich, weil sie ihn so angestachelt hatte. „Bist du sauer? Deswegen?“, hakte sie vorsichtig nach.
„Sauer, weil wir eben phänomenalen Sex hatten? Bis du wahnsinnig?“ Er küsste sie fordernd. „Ich hab’ nur Bedenken wegen des Krümels in deinem Bauch.“
Sie erwiderte seine Küsse ebenso hungrig. „Ich hab es so gebraucht … entschuldige …“, flüsterte sie heiser.
„Ich doch auch“, dann biss er sie in die Unterlippe. „Und du warst doch lauter als ich“, grinste er frech.
Charlotte schlug ihm leicht gegen die Brust. „Niemals!“ Dann musste sie aber doch lachen. „Ich hab’ nur sslecht träumt.“
„Ach so.“ Seine Finger fuhren wieder zärtlich über ihren nackten Körper. Er öffnete leicht ihre Beine, streichelte zärtlich die Innenseiten ihrer Schenkel. Sie war noch nass und warm, behutsam drang er mit seinem Finger in diese verlockende Feuchtigkeit ein.
Charlotte seufzte leise auf. „Willst du noch mal schlecht träumen?“, raunte er und ließ seine Zunge um ihren Bauchnabel kreisen.
„Unbedingt“, presse Charlotte heiser hervor. Dann gab sie sich seinen streichelnden Händen hin.

„Ich hab’ überhaupt keine Lust auf diese dämliche Konferenz!“ David sah böse zu, wie Charlotte seine Sachen zusammenpackte.
Sie schaute ihn milde lächelnd an. Manchmal war er wirklich wie ein trotziger kleiner Junge.
„Du weißt, dass du hinmusst. Wie jedes Jahr“, sagte sie beiläufig und stopfte noch ein paar Socken in den Koffer.
„Ich werde euch furchtbar vermissen. Letztes Jahr waren wir noch kein Paar um diese Zeit“, maulte er weiter. „Jetzt habe ich eine Familie, um die ich mich kümmern muss.“
Charlotte seufzte auf und betrachtete ihren Mann, der finster dreinschauend auf dem Bett lag.
„Wie sollen die Mäuse ohne meine Gute-Nacht-Geschichten einschlafen? Und wie soll ich einschlafen, ohne meine Frau vorher geliebt zu haben“, meckerte er weiter.
Charlotte lachte auf, dann krabbelte sie zu ihm ins Bett. „Du armer Mann!“ Sie biss ihn in die Nasenspitze, dann wollte sie weiterpacken, doch David hielt sie fest.
Er drehte sie auf den Rücken und streichelte zärtlich über die Wölbung ihres Bauches. „Und wer soll auf meine jüngste Tochter aufpassen?“
„David – es könnte genauso gut ein Junge werden“, lachte Charlotte auf.
„Es wird ein Mädchen!“
„Ein Junge wäre auch schön“, seufzte Charlotte und wollte sich aufrappeln, doch David drückte sie zurück in die Kissen. „Ja, natürlich wäre es das. Aber mit Mädchen kenne ich mich aus“, zwinkerte er ihr zu. „Die hab’ ich im Griff.“
Jetzt prustete Charlotte laut los. „DU hast SIE im Griff?“ Sie glaubte fast vor Lachen zu platzen. „David – bitte! Sie haben dich im Griff!“
„Stimmt doch gar nicht“, protestierte er, doch er wusste, dass sie recht hatte. Ein Blick aus Suris oder Lunas braunen Kulleraugen und er schmolz dahin. Erst letztlich hatten sie ihn trotz ungemütlichen Novemberwetters zu einem Segeltörn überredet. Sie hatten sich auf seinen Schoss gekuschelt, ihn mit feuchten Küssen bombardiert und mit ihren Händchen durch sein Gesicht gestreichelt. Schließlich hatte er – natürlich – nachgegeben und sein Vater und er waren mit den Mäusen gesegelt.
Charlotte wäre gerne mitgefahren, doch das war ihm nicht recht. Immerhin – jetzt war sie in der achtzehnten Woche und ihr Bauch war schon deutlich zu sehen. Und David war unglaublich stolz auf seine schöne, schwangere Frau.
Charlotte bemerkte, dass er über etwas nachdachte, dann entzog sie sich ihm schnell und packte weiter.
„Ich glaube, das war’s. Mehr wirst du für die fünf Tage nicht brauchen.“
„Willst du nicht doch mitkommen?“, versuchte er es mit seinem Bettelblick.
„Nein. Ich bleibe bei den Flöckchen.“
David nickte brummig. Sie hatte ja recht. Sein Terminplan auf der Tagung war straff, es würde viel Stress werden und das wollte er ihr nicht zumuten. Doch solange ohne sie und die Mäuse zu sein, dass würde richtig hart für ihn werden. Er war bisher längstens mal eine Nacht weg gewesen – und hatte dann am Abend eine Stunde lang mit den Mäusen telefoniert.

„Tssüss Taffitt.“ Suri kuschelte sich am nächsten Morgen vor dem Kindergarten in seine Arme, er bekam viele feuchte Schmatzer ab. Auch Luna verabschiedete sich innig von ihm.
„Ich freu mich schon auf euch – in fünf Tagen bin ich wieder da.“ Er stupste beide auf die Nase.
Dann ließ er seine beiden Mäuschen schweren Herzens ziehen. Sie winkten ihm noch einmal fröhlich zu und verschwanden dann hinter der Tür des Kindergartens.

Charlotte brachte ihn zum Flughafen, vor der Sicherheitskontrolle zog er sie noch einmal fest in die Arme. „Pass auf dich und die Flöckchen auf.“
„Natürlich. Und viel Erfolg.“ Sie küsste ihn zärtlich, sofort ging er auf ihren Kuss ein.
„Wir werden dich vermissen“, sagte sie leise, sie wurde auch etwas wehmütig. Es sind nur fünf Tage – meine Güte, Charlotte’, schimpfte es in ihr. Doch sie konnte die Traurigkeit nicht wegschieben.
„Und ich euch erst“, stöhnte David gequält. Dann wurde es wirklich Zeit für ihn.
Noch einmal küsste er sie leidenschaftlich, dann löste er sich von ihr. „Wir telefonieren.“

Charlotte fuhr nachmittags mit den Flöckchen zu Magdalena. Sie konnte ein bisschen Ablenkung gebrauchen und die Mädchen waren gerne bei ihr in der Villa.
David hatte sich schon gemeldet, als er angekommen war und war jetzt unterwegs zur ersten Veranstaltung.
Magdalena lud Charlotte zum Essen ein, auch Julius gesellte sich dazu und Charlotte genoss die nette freundliche Art der Herbolds. Am frühen Abend fuhren sie dann zurück.
Charlotte steckte die Mäuschen ins Bett und machte es sich auf dem Sofa bequem. Zärtlich streichelte sie über ihren Bauch. Hier und da verspürte sie schon ein leichtes Zucken und sie freute sich über diese ersten spürbaren Regungen ihres Babys. Sie dachte über Davids Worte nach.
Ein Mädchen? Noch ein Mädchen? Charlotte runzelte die Stirn. Natürlich war die erste Priorität bei ihren Wünschen ein gesundes Baby. Doch wenn sie ehrlich war, wollte sie doch lieber mal einen kleinen Jungen. Am besten einen, der seinem Vater ähnelte.
Sie lächelte in sich hinein und döste weg. Durch das Telefonklingeln wurde sie wieder geweckt.

„Hallo Liebling.“ Seine warme, vertraute Stimme bescherte ihr prompt eine Gänsehaut.
„Hallo.“ Charlotte rappelte sich auf dem Sofa auf. Ihre Müdigkeit war wie weggeblasen.
„Alles klar bei euch?“ David ließ sich auf sein Hotelbett fallen und freute sich, sie zu hören.
„Ja, natürlich. Wir waren bei deinen Eltern.“ Sie erzählte ihm etwas von dem Besuch in der Villa. „Und wie ist bei dir?“
„Wie immer …“, stöhnte David genervt. „Die Themen sind zwar ganz interessant, vor dem Empfang hab’ ich mich verdrückt.“ Er sah auf die Uhr, es war gleich elf. „Charlotte?“
„Ja?“
„Ich wäre jetzt gerne bei dir“, raunte er ins Telefon.
„Das wäre schön – denk’ an mich“, antwortete sie heiser.
„Das tu ich die ganze Zeit“, er seufzte auf. „Ich würde dich jetzt gerne an mich pressen, dich ganz langsam ausziehen, dich überall berühren…“
Charlotte verspürte ein Kribbeln in ihrem Körper. Dieser Mann hatte einfach etwas Magisches an sich.
„Erzähl mir mehr … bitte“, flüsterte sie.

David war gerade in einer kleineren Besprechung mit den Vertretern anderer Verlagshäuser, als sein Handy klingelte. Auf dem Display sah er, dass das Gespräch von Charlotte kam.
Ob was mit dem Baby ist?, dachte er besorgt. Charlotte wusste, dass er heute den ganzen Nachmittag Besprechungen hatte, sie würde nur anrufen, wenn es wirklich wichtig war. Er entschuldigte sich kurz und ging ans Telefon. „Ja?“
„Hallo Taffitt“, hörte er die piepsige Stimme seiner Mini-Blondine.
„Hallo Schätzchen.“ Er lächelte etwas verlegen seinen Gesprächspartnern zu. „Das ist aber schön, dass du anrufst. Gibt es was Wichtiges?“
David stand auf und stellte sich ans Fenster, um etwas Abstand zu haben.
„Ja! Thaddäus hat Mr. Krabs beißt“, berichtete sie eifrig. „Mami hat aber sagt, das ist nich sslimm.“ Suris Stimme überschlug sich fast vor Aufregung. David musste schmunzeln. Seine kleine Maus liebte ihre Kaninchen über alles, und ganz offenbar beschäftigte sie diese Beißaktion sehr.
„Dann wird das auch so sein. Mach dir keine Sorgen, Schatz“, beruhigte er sie.
„Ich will auch“, hörte er auf einmal Lunas Stimme. „Hallo David! Geht es dir gut?“
„Ja, Süße, es ist schön dich zu hören. Aber ich habe gerade eine Besprechung. Kann ich euch später noch mal anrufen?“ David lächelte entschuldigend in die Richtung der anderen Teilnehmer.
„Okay“, rief Luna vergnügt, dann wurde er weggedrückt.
David setzte sich wieder an den Besprechungstisch.
„Wichtige Telefonate?“, erkundigte sich ein Kollege.
„Meine Kinder“, erklärte David ihm stolz.
„Dann war es wichtig.“ Der kleine freundliche Mann zwinkerte ihm zu.

„Mit wem habt Ihr denn gesprochen?“ Charlotte hatte das Geplapper ihrer Töchter gehört und war jetzt neugierig aus der Küche gekommen.
„Wir haben Taffitt anruft“, erklärte Suri ihr wichtig.
„David?“ Charlotte erschrak. Er hatte doch wichtige Gespräche heute Nachmittag. „Aber er ist doch beschäftigt!“ Sie stöhnte innerlich auf. Seit beide Mädchen wussten, wie sie das Telefon zu bedienen hatten, war telefonieren zu ihrer Leidenschaft geworden.
„Taffitt hat sich doll freut!“ Suri sah Charlotte treu an. „Hab’ ihm von Thaddäus und Mr. Krabs zählt“, berichtete sie ihr weiter.
Charlotte konnte sich ein Lachen jetzt nicht verkneifen. „Da hat er sich bestimmt sehr gefreut.“