Eine zweite Chance – Teil 54

„Ich geh schon.“ David schwang sich aus dem Bett, um nachzusehen, wer von den beiden Zwillingen so lautstark nach Charlotte verlangte. Zum Glück hatten die beiden Flöckchen so einen tiefen Schlaf, dass sie nicht von dem Babygeschrei wach wurden.
Ben war derjenige, der offenbar großen Hunger hatte. „Na komm, mein Schatz.“ David nahm ihn vorsichtig aus dem Bettchen, seine Schwester Nele schlief unbeeindruckt weiter.
David machte ihn schnell frisch und brachte ihn zu Charlotte, die noch ziemlich müde aussah. David musterte sie kurz besorgt. „Hey Liebling, alles klar?“
„Natürlich.“ Charlotte lächelte und legte Ben an. Mit Mühe unterdrückte sie ein Gähnen, dann schaute sie liebevoll auf ihren kleinen Sohn, der gierig zu trinken begann.
David konnte sich an diesem Bild einfach nicht sattsehen. Es strahlte so eine Ruhe und Vertrautheit aus, wenn Charlotte die Babys stillte, es faszinierte ihn immer wieder aufs Neue.
Als sie fertig war, brachte David Ben wieder zurück in sein Bettchen.

„Alle Woźniak-Herbold-Sprößlinge schlafen“, vermeldete er und krabbelte zurück zu Charlotte ins Bett. „Und du solltest das jetzt auch tun“, zärtlich küsste er sie auf die Nase. Keine fünf Sekunden später waren ihr auch schon die Augen zugefallen.
David zog sie in seine Arme, genoss einfach ihre Nähe und lauschte ihren gleichmäßigen Atemzügen. Endlich hatte er sie wieder, seine Charlie. Und nachdem die Mädchen im Bett waren, hatten sie auch sehr zärtlich Wiedersehen gefeiert.

Keine Stunde später meldete sich Nele. Charlotte fühlte sich wie gerädert, diese kurzen Schlafzeiten, die sie jetzt seit über zwei Wochen hatte, gingen doch sehr an die Substanz. Verschlafen tapste sie ins Kinderzimmer und nahm ihre kleine Tochter aus dem Bettchen. Da David nicht wach geworden war, stillte Charlotte die Kleine direkt dort, um ihn nicht zu wecken.
Aufmerksam sah Charlotte sich um. Das Zimmer war wirklich so geworden, wie sie es sich vorgestellt hatte. Als sie im Krankenhaus war, hatten David und ihr Vater die Möbel aufgebaut. Es war in einem zarten Gelbton gehalten, je nachdem welches der Kinder das Zimmer später bekam, würden sie es entsprechend dem Bewohner gestalten.
Ihre Gedanken schweiften ab. In der Zeit, die sie im Krankenhaus verbracht hatte, hatte sie sich an das Stillen von zwei Babys gewöhnt. Zuerst hatte sie Angst gehabt, nicht genügend Milch zu haben, doch das hatte sich schnell eingependelt. Sie fragte sich nur insgeheim, was David dachte, wenn er ihre Brüste sah, die um einiges größer waren. Bisher hatte er sich dazu nicht geäußert. Überhaupt war sie unsicher wegen ihrer Figur. Ihr Bauch hatte unter der Zwillingsschwangerschaft mehr gelitten, als bei den Schwangerschaften davor. Sie hatte zwar schon Gewicht verloren, aber ob sie wirklich ihre alte Figur zurückbekommen würde? Würde ihr Mann sie dann wirklich noch attraktiv finden?

Doch dann schimpfte sie mit sich. David hatte nun wirklich oft genug bewiesen, dass er sie liebte. Und die Aussagen von Monique und diesem Model hatten nur bestätigt, dass an den Gerüchten nichts dran war. Charlotte horchte in sich hinein, doch sie verspürte keinen Groll auf Monique. Eigentlich hatte sie fast schon Mitleid mit ihr. So von Hass und Rachegelüsten zerfressen zu sein, musste schrecklich sein.
Nele trank immer langsamer und Charlotte sah, dass sie schon dabei war, wieder einzuschlafen. Lächelnd löste sie ihre kleine Tochter von ihrer Brust, legte sie sich sanft an die Schulter und nach dem erlösenden Hicks kam sie wieder zurück zu ihrem Bruder.
Bitte jetzt zwei Stunden Ruhe, ja, bat sie ihre Kinder in Gedanken, dann krabbelte sie zurück zu David ins Bett.
Er schlief immer noch tief und fest und sie beobachtete ihn ein bisschen beim Schlafen. In den letzten zwei Wochen hatte sie ihn sehr vermisst. Er zuckte kurz zusammen, Charlotte musste lächeln und ein warmes Gefühl breitete sich in ihr aus. Das ist dein Mann, dachte sie glücklich. Und alle Moniques, Jessicas und wie-sie-alle-hießen konnten ihr den Buckel herunterrutschen. Sie hatte David Herbold für sich und exklusiv. Und mit ihm zwei wunderbare Kinder und eine tolle Familie. Sie konnte mit ihrem Leben doch sehr zufrieden sein.

„Auf die Dauer geht das so nicht weiter“, schimpfte Paula Herbst. Charlotte hatte die Hebamme gebeten, ihre Betreuung zuhause weiterzuführen. Seit zwei Wochen kam sie jetzt zu ihr.
„Sie schlafen nicht genug und Sie sind immer noch so blass. Wie oft trinken die Kinder?“, bohrte sie nach und schlug die beiden Hefter auf, in denen Charlotte vermerkte, wann sie wen wie oft stillte.
Charlotte wollte gerade antworten, da meckerte die Hebamme schon weiter.
„Nele alle drei Stunden, Ben alle zweieinhalb“, grummelte Paula und gab sich damit selbst die Antwort. „Und das natürlich zu unterschiedlichen Zeiten! Charlotte – es ist aller Ehren wert, dass Sie Ihre Zwillinge stillen, aber wenn Sie nach einer Woche hier umkippen ist niemandem geholfen!“ Das große Donnerwetter ging weiter.
„Wie wäre es, wenn Sie abpumpen, die Milch nach und nach einfrieren und Ihrem Mann mal das Füttern in der Nacht überlassen?“ Charlotte traf ein strenger Blick aus grünen Augen. Die Hebamme hatte sich in Rage geredet und musterte sie durchdringend.
„Mein Mann hat einen sehr anstrengenden Job. Und er wickelt und er hilft mir beim Baden, sobald er zuhause ist. Außerdem kümmert er sich um meine Mädchen. Ich kann ihm das nicht auch noch zumuten.“
„Dann versuchen Sie die beiden auf einen Rhythmus zu kriegen. So können Sie beide gleichzeitig stillen und haben eine längere Ruhephase. Das haben wir Ihnen im Krankenhaus schon versucht, verständlich zu machen. Die Kleinen werden sich daran gewöhnen“, beharrte Paula. „Charlotte ich mache mir wirklich Sorgen!“
„Danke, das ist auch lieb. Aber ich schaffe das schon. Irgendwann werden die beiden ja auch mal länger schlafen.“ Charlie brachte es einfach nicht übers Herz, eins von den Babys zu wecken. Wenn sie schliefen, sahen sie so friedlich aus. Und Suri und Luna hatten auch alleine ihren Rhythmus gefunden.
Paula stöhnte auf. „Sie werden ja sehen, was sie davon haben“, maulte sie weiter.
Dann wog sie die Babys und tastete Charlottes Bauch ab. „Alles soweit okay, die Gebärmutter hat sich schon gut zurückgebildet. Und Ihre beiden wachsen und gedeihen prächtig“, sagte sie zufrieden.

„Hallo Taffitt … Tawiid … Daaawwiiid …“ Suri strengte sich sehr an, seinen Namen jetzt richtig auszusprechen. Im Kindergarten hatte vor vier Wochen eine Logopädin angefangen und offenbar hatte sie auch Suri unter ihre Fittiche genommen.
„Hallo mein Mäuschen. Wie war dein Tag?“ David ging in die Hocke und fing seine Miniblondine in seinen Armen auf. Er hob sie hoch und ging mit ihr Richtung Küche, in der er Charlotte vermutete.
„Gut, war total ssön“, strahlte Suri ihn an. „Wir haben im Kindergarten mit Ton geknetet.“
„Das heißt SCHÖN, wie oft soll man dir das noch sagen?“, meldete sich seine andere Maus zu Wort und schaute Suri tadelnd an.
„Chön …“, verbesserte sich ihre Schwester daraufhin.
David setzte Suri ab und drückte Luna an sich. „Hallo Schatz, und wie war es bei dir?“
„Gut, soll ich dir zeigen, was ich gerechnet habe?“ Aufgeregt trippelte sie von einem Fuß auf den anderen.
„Ja gerne. Aber wo ist denn die Mama?“ Er sah sich suchend im angrenzenden Esszimmer um.

„Hier bin ich“, lachte Charlotte. Sie kam gerade die Treppe hinunter und hatte Ben auf dem Arm. „Ich hab ihn gefüttert.“
Zärtlich küsste sie ihn zur Begrüßung, für David ganz eindeutig der schönste Moment der letzten Stunden.
Dann wurden sie aber wieder unterbrochen, denn Luna hatte jetzt eine bunte Mappe geholt und zupfte ungeduldig an Davids Jackett. Er ließ sich von ihr an die Hand nehmen und sie führte ihn zum Sofa.
Luna war in die Vorschulgruppe des Kindergartens aufgenommen worden und seitdem blühte sie auf.

Sie aßen gemütlich zu Abend, keiner der Zwillinge meldete sich zu Wort. Sie lagen beide friedlich auf einer Decke neben ihnen und wirkten zufrieden.
David genoss es, mit seiner Familie zu Abend zu essen. Im Verlag war es wieder mal hektisch zugegangen und es war einiges liegengeblieben, weil David sich wegen der Babys öfters freigenommen hatte.
Umso schöner war es, nach Hause zu kommen.
„Was sagt Paula denn?“, erkundigte sich David nach der Hebamme.
„Oh, das Übliche.“ Charlotte lächelte etwas gequält und er ahnte, was Paula angemahnt hatte. Aber die Hebamme hatte natürlich recht, auch David bemerkte, wie müde und abgespannt Charlotte wirkte. Und sie hatte auch schon deutlich an Gewicht verloren, auch wenn Charlotte ihm nicht verriet, wie viel Kilo es insgesamt waren.
„Hör auf sie.“ David griff nach ihrer Hand.
„Es wird schon gehen“, beharrte Charlotte. „Die beiden sind jetzt vier Wochen alt, mit ein bisschen Glück schlafen sie bald viel länger an einem Stück.“
David seufzte auf. Sie ließ sich da nicht reinreden, wollte ihre Babys nicht wecken. Er hoffte nur, dass sie das auf Dauer durchstehen würde.

Heute war DER Abend. David hatte sich schon so lange darauf gefreut und es hatte ihn viel Überredungskunst bei seiner Frau gekostet. Schließlich hatte sie Milch auf Vorrat abgepumpt und sich damit einverstanden erklärt, die Babys für eine Nacht zu den Herbolds zu bringen, die Flöckchen sollten bei Siegels schlafen.
Eine Nacht – eine ganze Nacht! David jubilierte innerlich. Nele und Ben waren jetzt acht Wochen alt und seine kleine Tochter schlief jetzt in der Nacht bis zu sechs, Ben teilweise sogar sieben Stunden. Charlotte hatte Recht behalten und ihre Still-Taktik durchgehalten. Und jetzt hatte auch sie mehr Ruhe. Das allein war schon ein Grund zum Feiern. Doch es gab noch einen anderen.
David schämte sich schon ein bisschen, es so herbeigesehnt zu haben. Aber Charlotte hatte jetzt keine Blutungen mehr und sich eine leichte Pille verschreiben lassen. Und er hoffte, dass sie auch Lust hatte, ein wenig zärtlicher mit ihm zu werden.
Ein wenig?, spottete es in ihm. Heuchler!
Er hatte sich fest vorgenommen, ihr heute jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Und sie zu nichts zu drängen. Auch wenn er natürlich Hoffnungen über den Verlauf des Abends hegte.
Charlotte staunte nicht schlecht, als sie die Tür aufschloss und ihr schon ein verführerischer Essenduft entgegenschlug. Sie hatte gerade die Kinder zu den Großeltern gebracht und sich schon gefragt, warum er nicht mitkommen wollte.
„David?“ Sie ging in Richtung Küche, doch von ihrem Mann war nichts zu sehen.
„Hier oben“, kam es aus der ersten Etage.
Neugierig stieg sie die Stufen hinauf. Die Tür zum Badezimmer war offen und sie ging darauf zu.
„David …“, stieß sie verblüfft aus. Im ganzen Badezimmer hatte er Teelichter aufgestellt und in der großen Wanne war bereits Wasser eingelassen. Er deutete einen Diener an und wies darauf.
„Madame …“, grinste er sie an.
„Das sieht hier wunderschön aus“, lächelte sie und gab ihm einen zärtlichen Kuss.
„Magst Du dich ein bisschen in der Wanne entspannen?“, murmelte er an ihren Lippen.
Charlotte fiel der Kübel mit Champagner auf, der danebenstand, und eine Schale mit Erdbeeren. „Gerne.“

David übernahm das Entkleiden höchstpersönlich und es fiel ihm schwer, die Finger von ihr zu lassen. Wohlig seufzend ließ sich Charlotte in das warme Wasser gleiten. Sie hatte lange schon nicht mehr gebadet, das Duschen ging einfach schneller und war viel praktischer. Dann sah sie David überrascht an. „Kommst du nicht mit hinein?“
Er reichte ihr die Erdbeeren und ein Glas Champagner. „Lieber nicht“, lächelte er verlegen. „Außerdem möchte ich dich zuerst verwöhnen.“
Er nahm einen weichen Schwamm und rieb ihr sanft über den Körper. Charlotte schloss die Augen und genoss es einfach nur. „Das ist schön“, seufzte sie leise.
„Entspann dich.“ David beugte sich über sie und tupfte ihr kleine Küsse auf das Gesicht. Ein wohliges Kribbeln breitete sich in Charlotte aus. Seine Lippen fanden ihre und sein Kuss wurde schnell leidenschaftlicher.
„Willst du nicht doch mit hineinkommen?“, raunte Charlotte in seinen Mund und ihre Arme schlangen sich um ihren Hals.
„Nein.“ Er legte den Schwamm beiseite und seine Finger glitten zärtlich über ihren nackten Körper. Zärtlich umfasste er eine Brust, war fasziniert von der Fülle und Weichheit. Er neckte ein wenig ihre Brustwarze, die sich sofort aufstellte.
„David …“ Charlottes Körper war wie elektrisiert. Auch bei ihr war die lange Zeit der Enthaltsamkeit nicht ohne Folgen geblieben. Schon die kleinste Berührung ließ sie erbeben.
„Schließ die Augen“, flüsterte er an ihrem Mund. Seine Finger glitten weiter hinab, tauchten ins Wasser ein, umspielten ihren Bauchnabel. Er unterbrach den Kuss nicht, er fühlte aber deutlich, dass Charlotte immer erregter wurde.
Vorsichtig spreizte er ihre Beine, wanderte hinab zu ihrer Weiblichkeit.
Charlotte stöhnte auf, sie hielt es fast nicht mehr aus, ihr ganzer Körper schien in Flammen zu stehen. „Bitte David, komm’ zu mir“, keuchte sie und ihr Atem ging schneller.
„Schsch …“ Zärtlich zupfte er mit seinen Lippen an ihren, begehrte wieder Einlass in ihren Mund.
Sanft streichelte er über ihren empfindlichsten Punkt, glitt dann weiter hinab und drang mit einem Finger behutsam in sie ein. Er wusste nicht, wie sie reagieren würde, ob sie Probleme hatte – schlimmstenfalls womöglich Schmerzen – doch es schien in Ordnung für sie zu sein.
David steigerte das Tempo, nahm einen zweiten Finger dazu, und massierte sie gleichzeitig zärtlich.
Charlotte glaubte es nicht mehr auszuhalten. Ihre Zungen umspielten sich und er verwöhnte sie auf einzigartige Weise. Sie hielt es nicht mehr aus, krallte sich mit ihren Fingern in seinem Rücken fest und schrie leise auf, als sie ihren Höhepunkt erreichte.

David betrachtete sie liebevoll, als sie sich langsam in seinen Armen entspannte. Sie hatte die Augen immer noch geschlossen, ihre Atmung beruhigte sich etwas. Schließlich sah sie ihn voller Liebe an, zog ihn wieder zu sich hinunter.
„Und du bist doch ein Schuft“, flüsterte sie in seinen Mund.
David lachte leise auf und der tiefe, angenehme Klang seiner Stimme bescherte ihr schon wieder eine Gänsehaut.
„War es schön für dich?“, fragte er sie schließlich leise. Er hatte gehofft, dass es im warmen Wasser für sie vielleicht leichter wäre, beim ersten Mal nach der Entbindung und nach so langer Zeit. Ängstlich hatte er im Internet Erfahrungsberichte von jungen Müttern nachgelesen und ein mulmiges Gefühl bekommen.
„Es war wunderschön“, versicherte sie ihm lächelnd. Dann küsste sie ihn wieder etwas fordernder. „Und was ist mit dir?“
„Ich decke jetzt den Tisch, wir können in einer halben Stunde essen“, grinste er frech. „Lass dir also nicht zuviel Zeit in der Wanne“.