Eine zweite Chance – Teil 55

Charlotte blieb noch ein bisschen im wohlig warmen Wasser liegen. David hatte sie wirklich ein wenig überrumpelt, doch es war so schön gewesen, wie er sie berührt und geküsst hatte. Wenn sie daran dachte, lief wieder ein angenehmer Schauer durch ihren Körper. Es war gut gewesen, die Kinder mal für eine Nacht abzugeben, auch wenn sie sich anfangs etwas dagegen gesträubt hatte. Aber als Paar waren sie wirklich in den letzten Monaten zu kurz gekommen und auch wenn David sich eben sehr zurückgenommen hatte, sie hatte in seinen Augen die Lust auf sie gesehen.
Charlotte stieg aus der Wanne und ließ sich Zeit, um sich in Ruhe einzucremen. Sie schminkte sich leicht, auch dafür fehlte ihr im normalen Alltag einfach oft die Zeit.
Etwas ratlos stand sie vor dem Kleiderschrank. Sie hatte keinesfalls vor, in Jeans und bespucktem T-Shirt bei David unten zu erscheinen.
Er gab sich solche Mühe und sie wollte hübsch für ihn sein und nicht immer nur wie eine stillende Mami aussehen.
Sie probierte ein Kleid an, das sie am Anfang ihrer Schwangerschaft mit den Zwillingen getragen hatte. Da sie schon etliche Kilos verloren hatte, passte es auch recht gut, nur ihr Busen war etwas zu groß, und sie musste ihn ziemlich hineinquetschen. Doch solange er nicht gänzlich aus dem Ausschnitt hüpfte, wollte sie es riskieren.
Sie war richtig aufgeregt, als sie nach unten ging, er schien in der Küche zu sein.
„Kann ich dir helfen?“, rief sie ihm zu.
„Nein, geh bitte direkt ins Esszimmer!“
Der Tisch war wunderschön gedeckt, überall brannten Kerzen und ein Strauß mit roten Rosen stand darauf.

David war mächtig nervös. Er war nun wirklich kein Talent in der Küche, aber die Lasagne machte einen guten Eindruck. Frau Hafner hatte ihm jeden kleinen Schritt akribisch aufgeschrieben und der Salat schaute auch genießbar aus.
Schließlich brachte er den dampfenden Auflauf ins Esszimmer. Als er Charlotte sah, stockte ihm kurz der Atem. Sie hatte ein Kleid an, mit einem Wahninnsdekolleté – und sie war eine wahre Augenweide. Er versuchte, sich nichts anmerken zu lassen, und stellte die Lasagne auf den Tisch.
Charlotte schnupperte an der Form. „Hm, das riecht gut.“
„Es sind auch keine Zwiebel drin“, beeilte sich David zu sagen. Frau Hafner hatte ihn darüber aufgeklärt, was man stillenden Müttern vorsetzen durfte und was nicht.
„Deine Kinder werden es dir danken“, lächelte Charlotte und griff nach Davids Hand. „Danke für das alles hier.“
„Oh – dafür nicht. Ich hole noch den Rest, warte!“, schnell ging er in die Küche und holte den Salat und den Rotwein. „Ein Glas wirst du wohl trinken können, das ist bis morgen abgebaut.“
Charlotte sah ihm tief in die Augen und stieß mit ihm an. „Ich liebe dich“, sagte sie leise.
„Ich dich auch, Frau Herbold“, zwinkerte er ihr zu.
Nervös beobachtete er Charlotte, als sie den ersten Bissen zu sich nahm. Dann reckte sie ihren Daumen nach oben. „Perfekt!“
„Gott sei Dank!“ Er atmete erleichtert aus.
„Das kannst du gerne öfters machen“, grinste sie frech.
„Wenn du für den Nachtisch sorgst …“ Er zog die Augenbrauen hoch und es blitzte in seinen Augen auf.
„Wir werden sehen.“ Charlotte spürte, wie sie rot wurde. Er schaffte es doch immer noch, sie in Verlegenheit zu bringen.
Das Essen schmeckte hervorragend und Charlotte genoss es, sich dafür richtig Zeit zu nehmen, ohne auf die Babys zu achten oder Suris und Lunas Geplapper zu lauschen.

Sie stand auf und räumte ab, dann begann sie, die Spülmaschine einzuräumen.
„Hey, hör auf damit.“ Zwei Arme schlangen sich von hinten um ihre Taille. „Wir sollten nicht so viel Zeit mit solchen Dingen verschwenden“, raunte David ihr zu und knabberte an ihrem Ohrläppchen.
Sofort bekam Charlotte eine Gänsehaut und sie lehnte sich mit geschlossenen Augen an ihn.
David küsste sich ihren Hals hinunter, schob leicht den Träger ihres Kleides etwas von ihrer Schulter. Tief atmete er den Duft ihrer Haut ein.
„Das Dekolleté deines Kleides müsste verboten werden“, murmelte er und hauchte kleine Küsse auf ihr Schlüsselbein. „So würde ich niemals mit dir vor die Tür gehen.“
Charlotte lachte verlegen. „Als ich das Kleid das erste Mal getragen habe, hab ich es auch nicht so ausgefüllt.“
„Ich bin verrückt nach dir“, flüsterte David.

Charlotte erwachte am frühen Morgen von einem unangenehmen Ziehen in ihren Brüsten. Sie schaute verschlafen auf den Wecker und erschrak. Sie musste stillen! Doch ihre Babys hatten sich noch nicht gemeldet!
Mit einem Satz war sie aus dem Bett, dann spürte sie, wie ein Arm sie packte und wieder zurückzog.
„Hey, wo willst du hin?“, murmelte es verschlafen neben ihr. Erst jetzt registrierte Charlotte, dass sie und David völlig nackt waren und schlagartig fiel ihr die letzte Nacht wieder ein. Erleichtert atmete sie auf.
„Ich hab’ mich schon gesorgt, weil Nele und Ben sich nicht gemeldet haben“, erklärte sie ihm verlegen.
David hob den Kopf und grinste. „Das werden sie bestimmt getan haben – aber das ist das Problem von meinen Eltern.“
Charlotte machte wieder Anstalten aufzustehen, der Druck in ihren Brüsten war sehr unangenehm und sie musste etwas abpumpen, um sich Erleichterung zu verschaffen.
„Bleib bei mir“, protestierte David und hielt sie erneut fest.
„Geht nicht, ich muss abpumpen“, erklärte sie ihm.
David ließ eine Hand über ihre Brüste gleiten und tatsächlich, sie waren richtig hart und prall. Aus einer tröpfelte es bereits leicht.
„Hast du Schmerzen?“, fragte er sie besorgt.
„Es ist ein bisschen unangenehm.“ Sie küsste ihn noch einmal zärtlich und stand dann auf. „Bis gleich.“

Charlotte atmete tief durch, als der Druck in ihrer Brust abnahm. Die wertvolle Milch lief in ein kleines Babyfläschen, dass direkt nach dem Abpumpen eingefroren wurde.
Währenddessen ließ sie die vergangene Nacht noch einmal Revue passieren. Sie hatten sich später noch zweimal sehr leidenschaftlich, fast hart geliebt. Davids anfängliche Vorsicht hatte sich rasch gelegt.
Charlotte spürte, wie sie bereits bei dem Gedanken an den Sex mit David errötete. Nach der letzten Schwangerschaft mit Suri hatte sie erst nach einigen Monaten wieder die Lust auf Sex verspürt, doch mit David war das komplett anders. Er hatte etwas an sich, dass sie einfach magisch anzog, sie süchtig nach seinen Berührungen machte. Und die anfängliche Angst, es könnte wehtun, wenn er in sie eindrang, war rasch verflogen. Wieder spürte sie dieses einzigartige Gefühl, diese tiefe Verbundenheit zu ihm. Er war’s einfach – ihr Mann …

Charlotte kam mit zwei Tassen Kaffee zurück.
„Willst du schon aufstehen?“, knurrte es aus den Kissen.
„Du kannst ja liegen bleiben, aber ich werde jetzt die Kinder holen. Ich hab nicht viel abgepumpt, vielleicht haben Ben und Nele ja gleich Hunger“, erklärte sie ihm.
„Nein, ich fahre mit.“ David nahm dankbar die Tasse Kaffee entgegen und küsste Charlotte auf die Nase. „Bist du fit?“
„Wie denn?“, antwortete sie empört. „Du hast mich ja nicht schlafen lassen“, neckte sie ihn.
„Ich DICH nicht?“ Er nahm ihr die Tasse wieder ab, stellte sie zusammen mit seiner auf den Boden. Dann schmiss er sie auf den Rücken und bevor sie sich versah, hatte er den Bademantel schon geöffnet.
„Wer ist denn hier unersättlich?“, raunte er ihr zu und saugte zärtlich an ihrem Hals.
„Na wer wohl?“, schnurrte Charlotte und gab sich seinen Küssen und Streicheleinheiten hin.

Zuerst holten sie Suri und Luna ab, dann fuhren sie zu den Herbolds.
Charlotte war neugierig, wie die Nacht verlaufen war, doch die strahlenden Gesichter von Magdalena und Julius ließen sie sofort aufatmen.
„Es hat alles super geklappt“, strahlte Davids Mutter sofort. „Die beiden sind wirklich goldig und waren ganz brav. Zuerst haben sie den Nuckel der Milchflasche zwar abgelehnt, aber dann haben sie doch getrunken.“
„Kein Wunder, ich würde aus diesem Gummiding auch nichts trinken, wenn ich das Original gewöhnt bin“, raunte David in Charlottes Ohr, die prompt knallrot wurde.

„Soll ich dir zeigen, wie man wickelt?“ Suri hopste aufgeregt vor Julius Herbold auf und ab. „Ich kann das!“
„Du kannst das? Na dann mal los, dein kleiner Bruder könnte nämlich eine frische Windel vertragen.“ Julius zwinkerte ihr zu und zusammen mit David, Charlotte und Luna ging er hinauf ins Schlafzimmer, in dem die Babys in einem Bettchen lagen.
Ben war wach und grinste sofort breit, als er sah, dass Suri sich übers Bettchen beugte.
„Du musst ihn aufheben, Luna und ich dürfen das nicht“, erklärte Suri Davids Vater wichtig.
„Okay.“ Julius nahm Ben hoch und ging mit ihm zum Bett, auf dem eine Wickeldecke lag.
„Es ist so, dass Suri und Luna nur die Babys versorgen dürfen, wenn ein Erwachsener dabei ist. Die Kleinen strampeln jetzt doch schon lebhaft und es sollte immer jemand da sein, der sie festhält“, erklärte David seinem Vater.
Suri und Luna öffneten geschickt den kleinen Strampler und Ben quiekte bereits vergnügt. Er ruderte aufgeregt mit seinen Ärmchen und als Luna ihm eine Grimasse schnitt, gluckste er richtig.
„Du musst aufpassen, dass er dich nicht anpullert. Hat er mal bei Papi macht“, kicherte Suri und auch Luna fiel jetzt in ein herzhaftes Lachen ein.
„Dann muss mal eine Windel über den Pipimann ssmeissen, äh, chmeissen“, dozierte Suri weiter.
Schnell war die nasse Windel weg und Charlotte half jetzt den Kleinen, den Popo sauber zu machen und trockenzulegen.
Luna schloss die Windel und zusammen mit ihrer Schwester zog sie Ben wieder an, während Julius den beiden Mädchen fasziniert zuschaute und Ben festhielt.
„So, jetzt ist er wieder friss, äh frich, der kleine Pupsibär.“ Suri beugte sich über Ben und gab ihm einen feuchten Kuss.
Ben strampelte wild und quiekte fröhlich auf.
„Ich bin mal gespannt, wie Ihr Ben erst betitelt, wenn Euer Bruder mal richtig feste Nahrung bekommt“, kicherte Charlotte und umarmte ihre beiden kleinen Helferinnen. „Ihr macht das ganz super, Ihr seid richtig tolle große Schwestern.“ Sie küsste die beiden innig.
Charlotte nahm sich Ben und ging mit ihm in ein angrenzendes Zimmer. Sie legte ihn an und er trank gierig an ihrer Brust.

„Konntet Ihr die kinderlose Zeit genießen?“, fragte Magdalena David und lächelte ihm freundlich zu.
„Ja, das konnten wir.“ Er hauchte seiner Mutter einen Kuss auf die Stirn. „Danke.“
„Jederzeit wieder“, lachte sie, dann meldete sich Nele lautstark zu Wort.
„Ran an die Arbeit!“ Suri holte eine frische Windel aus dem Schränkchen und legte schon alles bereit für die nächste Runde.
„Bei Mädchen ist das nicht so sslimm, die können einen nicht anpieseln“, erklärte sie Julius wieder, der ihr grinsend zuhörte.
„Die sind eben netter und lieber“, fügte Luna an.
David dachte an die Kratzer, die er nach der letzten Nacht auf seinem Rücken spürte und verkniff sich, innerlich grinsend, jegliche Bemerkung.